Wirtschaft : Neue Bundesländer: Der Osten hat eine Chance

Antje Sirleschtov

Allein schon die nackten statistischen Zahlen bieten keinen Anlass zur Hoffnung: Das Wirtschaftswachstum in den neuen Bundesländern kommt seit Jahren nicht hoch auf Westniveau, das massenweise Sterben der Betriebe hält weiter an, und die hohe Arbeitslosigkeit verfestigt sich. Und nun auch noch Wolfgang Thierses DunkelBrief: "Vom wirtschaftlichen Aufholprozess", trauert der Ostkenner und Bundestagspräsident, "kann keine Rede mehr sein". Nun aber rasch! Wenn schon jemandem wie Thierse der Mut ausgeht, dann sollten sich die Facharbeiter und Ingenieure, die Programmierer und Maschinenbauer in Zwickau und Freiberg lieber gleich auf die Suche nach einer besseren Zukunft im Westen machen. Wer will schon der letzte sein, der das Licht ausknipst? Doch halt! Gibt es keine guten Gründe, die berufliche Zukunft diesseits der Elbe zu suchen? Es gibt. Viel mehr, als Statistik und Berufspessimismus von Politikern erahnen lassen. Wer genau hinsieht, wird Jobangebote für Facharbeiter und Hochschulabsolventen bei großen namhaften Investoren in Ostdeutschland finden. Vielleicht nicht in Nordbrandenburg oder an der polnischen Grenze. Aber in Ilmenau, Dresden und Jena bestimmt. Und auch die vielen Mittelständler, die vor zehn Jahren aus Treuhandbetrieben hervorgegangen und ausgegründet wurden, suchen inzwischen Nachwuchs. Mag sein, dass die Angebote nicht so reich gesäht sind, wie in Süddeutschland. Mag auch sein, dass man Lohnunterschiede in Kauf nehmen muss. Doch es gibt sie, die Chancen in Ostdeutschland. Auch, wenn man sie vom Bundestagspräsidium in Berlin aus wohl nicht erkennen kann.

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