Wirtschaft : Neue Chance für Handwerker

Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, lässt sich umschulen.

18 Jahre lang hat Michael Fischer als Elektroinstallateur gearbeitet: Er verlegte Leitungen und baute ganze Elektroanlagen. Doch vor rund drei Jahren war Schluss. Der Handwerker aus Nordrhein-Westfalen erkrankte an Arthrose. Da war er 36 Jahre alt. Fischer hatte aber Glück im Unglück: Er machte eine berufliche Umschulung. Nun ist er Informatikkaufmann.

Der Elektroinstallateur ist kein Einzelfall – viele Handwerker können irgendwann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im gelernten Beruf arbeiten. Die genaue Zahl ist unklar, die Bundesagentur für Arbeit erfasst nur, wie viele Arbeitslose jedes Jahr eine Weiterbildung beginnen, die zu einem Berufsabschluss führt. 2010 seien das 39 000 Männer und Frauen gewesen, im Jahr 2011 rund 24 000, sagt Sprecherin Ilona Mirtschin. „Wir können aber nicht aufschlüsseln, wie viele von ihnen Umschüler sind und wie viele von ihnen vorher keinen Berufsabschluss hatten.“ Sie rät, sofort zum Arbeitsamt zu gehen, wenn klar wird, dass Arbeitnehmer ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Und ein Attest mitzubringen, so können sie die gesundheitlichen Probleme medizinisch belegen.

In vielen Regionen gibt es zusätzlich zur Arbeitsagentur sogenannte Gemeinsame Servicestellen für Rehabilitation. „Die sind in diesen Situationen ebenfalls gute Ansprechpartner“, sagt Björn Hagen von der Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation. Auch die Servicestellen haben alle notwendigen Unterlagen, um die Umschulung beantragen zu können.

Die berufliche Rehabilitation finanziert meist die Bundesagentur für Arbeit oder die Rentenversicherung. „Wer schon 15 Jahre oder mehr zusammen hat, für den ist meist die Rentenversicherung zuständig“, sagt Hagen. Für Arbeitnehmer ist es letztendlich egal, wer die Umschulung finanziert: in beiden Fällen wird ein Übergangsgeld gezahlt, das sich nach dem bisherigen Gehalt berechnet.

Dann muss geklärt werden, in welche Richtung die Umschulung gehen soll. Dabei spiele die eigenen Fähigkeiten und Wünsche eine Rolle - man muss sich eine neue Tätigkeit vorstellen können. Dabei werde auch die Lage am Arbeitsmarkt berücksichtigt. Umschüler sollten schließlich später auch die Chance auf einen Job haben, sagt Hagen.

Meistens dauert so eine Umschulung zwei Jahre. Eine Variante ist die sogenannte ambulante Umschulung in einem Betrieb. Dabei wird man dann durch einen Reha-Bildungsträger unterstützt. So gibt es etwa die Möglichkeit, Stützunterricht zu bekommen. „Das ist wie Nachhilfe, wo wir den Umschülern individuelle Hilfen anbieten – von der neuen Rechtschreibung über Mathe bis Programmiersprache“, sagt Hagen. Die andere Möglichkeit ist die stationäre Umschulung in einer Reha-Einrichtung wie einem Berufsförderungswerk. Der Vorteil: Theorie und Praxis werden unter einem Dach vereint.

Auch der ehemalige Elektroinstallateur Fischer musste sich überlegen, welchen neuen Beruf er erlernen wollte. „Ich habe 18 Jahre im Kundendienst gearbeitet, da wollte ich auf jeden Fall weiter mit Menschen zu tun haben“, sagt der heute 39-Jährige. Zusammen mit seinem Berater der Rentenversicherung kam er schließlich auf den Informatikkaufmann.

Anfängliche Sorgen um seine Zukunft und die Finanzierung waren schnell vergessen. Im Jahr 2010 begann er seine Umschulung, bestand vor wenigen Monaten die Abschlussprüfungen und wurde von seinem Betrieb übernommen. dpa

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