Wirtschaft : Neue Chance für Studienabbrecher

Gerade im MINT-Bereich bringt der Fachkräftemangel Jobs.

Händeringend gesucht: Kräfte aus den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Neue Branchen wie Orthopädiemechanik brauchen mehr Leute. Foto:dpa
Händeringend gesucht: Kräfte aus den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Neue Branchen wie...Foto: ZB

In den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik brechen erschreckend viele ihr Studium ab. Und dann? Ein Job in diesem Bereich ist immer noch möglich, sagt die Studienberaterin Dana Voigt. Man muss nur die Möglichkeiten kennen.

Ingenieure und andere Fachkräfte sind in Deutschland händeringend gesucht – das beschert selbst Studienabbrechern Jobchancen. Wer ein Studium im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) nicht zu Ende gebracht hat, kann daher immer noch Karriere machen. „Das muss kein Makel im Lebenslauf sein. Wer engagiert ist und offensiv damit umgeht, der kann es trotzdem schaffen“, sagt Dana Voigt vom Beratungsprojekt „Weitersehen - Weiterbilden - Weiterkommen“ der Fachhochschule Brandenburg.

Im April waren im MINT-Bereich rund 280 000 Stellen unbesetzt, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mitteilte. Allerdings brechen viele in diesen Fächern ihr Studium ab: In den Fächern Elektrotechnik und Maschinenbau beispielsweise werfen den Angaben nach an deutschen Universitäten rund 53 Prozent der Bachelor-Studenten das Handtuch. In der Mathematik sind es 55, in der Informatik 47 Prozent.

Abbrechern bleiben Voigt zufolge aber immer noch viele Möglichkeiten. Beispielsweise könnte ein Hochschul- oder Studiengangwechsel infrage kommen. „Es gibt häufig sehr ähnliche Studiengänge, die sich nur anders nennen. Wenn man also beispielsweise zu viel Informatik in seinem Studiengang hat und lieber mehr technische Elemente möchte, dann kann es sein, dass es so einen Studiengang gibt.“ Der Wechsel an eine andere deutsche Hochschule ist allerdings nur möglich, wenn der Student nicht von seiner derzeitigen Hochschule nach drei nicht bestandenen Prüfungen zwangsweise exmatrikuliert wurde. Dann bliebe noch ein Wechsel an eine ausländische Hochschule, beispielsweise in Österreich oder der Schweiz.

Eine Fachhochschule empfiehlt Voigt nicht unbedingt als Alternative zur Uni. „Das ist möglich, aber sehr schwierig. Wer an der Uni Mathe nicht schafft, der schafft es an der FH auch nicht.“ Eine gute Möglichkeit sei dagegen eine Fachschule oder ein Oberschulenzentrum. Dort kann ein staatlich geprüfter Abschluss – beispielsweise in Informatik – erworben werden. Und wer schon ein paar Semester an der Uni absolviert hat, dem werde die Zeit an der Fachschule meistens verkürzt, sagt Voigt. Das müsse allerdings immer im Einzelfall geklärt werden.

Möglich sei auch eine sogenannte Externenprüfung. Für diese braucht der Student trotz Abbruch meist nur noch eine Vorbereitung und kann dann - bei bestandener Prüfung - seinen Abschluss beispielsweise als Industriemechaniker machen. Auch eine Lehre sei eine Alternative, die in Absprache mit dem Unternehmen häufig auch verkürzt werden könne.

„Hauptsache aktiv werden“, rät die Expertin. In der Orientierungsphase direkt nach dem Abbruch könne man beispielsweise einen Auslandsaufenthalt, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Praktikum machen. „Und es gibt ja immer die Chance, auch noch kurzfristig in eine Lehrstelle reinzurutschen.“ Beratung gibt es für Studienabbrecher nicht nur bei den Hochschulen und der Bundesagentur für Arbeit, sondern auch bei den Industrie- und Handelskammern und den Handwerkskammern. dpa

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