Neue deutsche Welle : Musikindustrie setzt auf einheimische Künstler

Die Musikbranche verdient immer mehr mit einheimischen Künstlern – dabei dominieren Pop und Rock. Außerdem boomen Online-Verkäufe. Insgesamt gingen die Umsätze trotzdem leicht zurück.

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Schlagerkönig. Der deutsche Rapper Cro schaffte es 2012 mit seinem „Raop“ in die Top 10 der erfolgreichsten Alben - wie auch sechs weitere deutsche Interpreten.
Schlagerkönig. Der deutsche Rapper Cro schaffte es 2012 mit seinem „Raop“ in die Top 10 der erfolgreichsten Alben - wie auch sechs...Foto: dpa

Berlin - Die deutsche Musikwirtschaft macht immer mehr Umsatz im Internet – und mit Künstlern aus dem eigenen Land. Sieben deutsche Alben schafften es im vergangenen Jahr in die Top 10 der Charts, bei den 100 meistverkauften Alben hatten nationale Produktionen einen Anteil von knapp 58 Prozent. So viele gute Platzierungen habe es „nicht einmal zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle“ in den 80er Jahren gegeben, hieß es am Dienstag bei der Jahresbilanz des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI). 

Deutlich überschätzt werde allerdings die Rolle der Volksmusik, sagte Verbandsgeschäftsführer Florian Drücke. Diese erreicht zwar über Fernsehshows einen großes Publikum, aber bei den Verkäufen einen Marktanteil von nur 2,4 Prozent. Die mit großem Abstand beliebtesten Genres sind Pop und Rock, die zusammen knapp 54 Prozent der Umsätze ausmachen – gefolgt von Klassik (6,7 Prozent), Schlager (4,8 Prozent) und deutschsprachigem Pop (5,2 Prozent).

Der digitale Musikhandel boomt, was die Rückgänge in anderen Bereichen jedoch nicht ganz ausgleicht. Die Einnahmen aus Online-Geschäften stiegen 2012 um fast 20 Prozent auf 294 Millionen Euro. Dennoch sank der Gesamtumsatz mit Musik um 3,2 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro. Als Gründe nannte BVMI-Vorstandsvorsitzender Dieter Gorny einen weiteren Rückgang des CD-Absatzes und ein „überraschend schwaches viertes Quartal“. Anders als noch vor ein paar Jahren, als Teile der Musikindustrie dramatische Untergangsszenarien ausmalten, zeigten sich die Branchenvertreter diesmal gelassen. Schon seit 2011 sei eine Marktstabilisierung zu erkennen, sagte Gorny. Man habe nur einen „leichten Dämpfer“ erhalten.

Grafik: Tsp/Schmidt

 Immer mehr Kunden verzichten auf einen physischen Tonträger und laden sich Musik als elektronische Dateien in Onlineshops wie iTunes, Amazon music oder Musicload herunter. Als neuester Trend gelten Streamingdienste. Bei diesen speichert man die Songs nicht einmal mehr auf dem eigenen Gerät, sondern hört sie bei Bedarf über das Internet.

Trotzdem sind Musik-CDs noch immer das wichtigste Medium. Mit ihnen wurden zuletzt mehr als 70 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt, das entspricht rund einer Milliarde Euro. Nach Ansicht des Verbands wird die CD ihre führende Rolle noch einige Jahre lang behalten. Die Musiklabels hätten es „nicht zuletzt mit einer wachsenden Zahl hochwertiger Boxen und Sondereditionen“ geschafft, die Nachfrage hoch zu halten.

Im klassischen Einzelhandel haben Elektronikmarktketten wie Saturn und Media-Markt viele kleine Plattenläden verdrängt. Aber selbst große Geschäfte haben es schwer gegen die Konkurrenz aus dem Netz. 2012 hatten Online-Dienste erstmals einen geringfügig höheren Marktanteil als der gesamte stationäre Handel.

Längst nicht jeder Musikliebhaber ist auch ein Käufer, schließlich gibt es kostenlose Alternativen vom Radio bis zu werbefinanzierten Internetdiensten. Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist zwar „die Begeisterung für Musik in der Bevölkerung ungebrochen“, aber 63 Prozent der Deutschen geben dafür kein Geld aus. Andererseits freut sich die Musikindustrie über sogenannte Intensivkäufer, die jeweils mehr als neun Songs oder Alben pro Jahr erwerben. Zu dieser Gruppe werden gerade einmal 3,4 Prozent der Deutschen gezählt, die jedoch zusammen 43 Prozent des Umsatzes bringen.

Illegale Musikdownloads bleiben laut Dieter Gorny ein großes Problem der Branche, geändert hat sich nur die Methode der Piraterie. Online-Tauschbörsen werden zunehmend gemieden. Denn es hat sich herumgesprochen, dass Musiklabels diese überwachen lassen und über Anwälte teure Abmahnungen versenden. Stattdessen weichen viele Internetnutzer inzwischen auf sogenannte Filehoster aus. Das sind Anbieter von Speicherplatz, wo Nutzer einmalig einen Song ablegen können, der von anderen dann heruntergeladen wird. Auch das ist bei urheberrechtlich geschütztem Material illegal. Aber bei dieser Methode kann die Industrie in der Regel die Nutzer nicht identifizieren und verfolgen.

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