Wirtschaft : Neue EU-Kommissarin für Soziales fordert mehr Flexibilität

Frau Diamantopoulou[wenige Tage vor dem Jahreswec]

Anna Diamantopoulou ist die jüngste EU-Kommissarin. Die 40-Jährige, in Athen zuletzt als Staatssekretärin für Industriepolitik, ist in der EU für Beschäftigung und Soziales zuständig. Mit Diamantopoulou sprach Alfons Frese.

Frau Diamantopoulou, wenige Tage vor dem Jahreswechsel: Gibt es im nächsten Jahr weniger Arbeitslose in Europa?

Es wird nicht einfach sein, die Arbeitslosigkeit deutlich zu reduzieren. Vor einem Monat gab es einen ökonomischen Report, einen Ausblick auf das Jahr 2000, und danach wird das Wachstum noch nicht ausreichen, um deutlich mehr Arbeitsplätze zu bekommen.

Was können Sie tun, was werden Sie tun, welche Möglickeiten hat die Kommission?

Wir müssen uns um große Änderungen, um große Reformen bemühen. In der Wirtschafts- und Sozialpolitik und auch bei der Flexibilisierung der Arbeitsmärkte. Dabei ist jedoch immer zu berücksichtigen, dass es große Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung der EU-Mitgliedstaaten gibt. Die Länder mit der besten Entwicklung sind die Länder, die vor einigen Jahren Reformen durchgeführt haben.

Also hängt zum Beispiel Deutschland bei Wachstum und Beschäftigung im letzten Drittel der EU-Länder, weil hier Reformen ausgeblieben sind?

Deutschland ist wegen der Vereinigung und den Problemen mit der Vereinigung in einer besonderen Situation.

Der Bundeskanzler versucht derzeit, in einem Bündnis für Arbeit mit den Sozialpartnern arbeitsmarktrelevante Verabredungen zu treffen. Was halten Sie von solchen Konsensrunden?

Sehr viel. Die Notwendigkeit eines sozialen Dialogs ist heute noch größer als früher, weil die Herausforderungen größer sind. Deshalb müssen die Veränderungen gemeinsam, im Dialog stattfinden. Es ist trotzdem kein einfacher Prozess. Deutschland ist nunmal ein großes, gut organisiertes Land mit sehr stabilen Strukturen und einem sehr ausgeprägtem sozialen Sicherungssystem. Und gerade deshalb ist der Dialog der Sozialpartner so wichtig.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Starrheit und Inflexibilität durch den endlosen Dialog eher zementiert wird?

Natürlich brauchen wir in Europa mehr Flexibilität. Aber anders als zum Beispiel die USA legen wir großen Wert auf stabile soziale Strukturen. Auf der Grundlage dieser Strukturen müssen wir flexibler und beweglicher werden.

Ende März gibt es in Lissabon einen EU-Gipfel, der sich unter anderem mit Beschäftigunspolitik befasst. Rechnen Sie mit Ergebnissen?

Im Hinblick auf einen europäischen Beschäftigungspakt ist in der jüngsten Zeit doch einiges erreicht worden. Wir werden weiter an einer Strategie für Wachstum und Beschäftigung arbeiten und dabei den sozialen Angleichungsprozeß der EU-Mitlieder unterstützen.

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