Wirtschaft : Neue Filialen und Produkte sollen das Institut nach vorne bringen

Daniel Rhee-Piening

Seine Empfindungen kann Karl Kauermann, Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank, bei der Frage nur schwer verbergen. Was er von der Fusion Deutsche Bank/Dresdner Bank hält? "Das ist schon in Ordnung", lautet die knappe Antwort. Kauermann sieht wachsende Chancen für die Berliner Volksbank vor allem im Bereich Mittelstand und Freiberufler, Handwerk und Dienstleistungen. Die sogenannten Doppelbankverbindungen würden sich schon melden, sagt der Bankchef im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Zwar schiebe sich das neue Institut am Berliner Bankenmarkt hinter die Sparkassen auf Platz 2, doch das Ziel der Volksbank bleibe eben dieser zweite Rang.

Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun, doch Kauermann (Foto: Ullstein) bleibt dabei: "Bis Mitte 2000 ist das Schlimmste vorbei". Für Ende des Jahres 2000 sei das Licht am Ende des Tunnels schon sehr deutlich zu sehen. Die Risikovorsorge für die Geschäftsjahre 1999 und 2000 kenne er, untermauert der Volksbank-Chef seinen Optimismus. Im kommenden Jahr sei die Risikovorsorge nicht mehr das beherrschende Thema. Allerdings, gibt Kauermann zu bedenken, seien hohe Investitionen geplant, die das Ergebnis zunächst belasten würden. So sind bis Ende 2002 Investitionsausgaben von rund 200 Millionen Mark vorgesehen. Allein 80 Millionen Mark sollen bis Ende dieses Jahres in die EDV fließen.

Der größte Anteil der Summe soll in den Umbau nahezu aller derzeit über 110 Filialen fließen. "Normalerweise baut ein Institut unserer Größenordnung pro Jahr fünf Filialen um, wir wollen dies mit allen so schnell wie möglich machen", umschreibt Kauermann die Größenordnung des Vorhabens. Startschuss soll bereits im April mit der Neueröffnung einer Filiale in Berlin-Mitte und in einem Supermarkt sein. Weitere zwei, so genannte Pilotfilialen sollen folgen. "Die 22 Brandenburger Filialen bleiben wo sie sind, von den 88 in Berlin und dem Speckgürtel wissen wir bei 55 was wir tun müssen, bei 33 wissen wird dies in 14 Tagen", so der Bankchef. Insgesamt soll die Zahl der Filialen eher steigen als sinken, allerdings werden neue regionale Schwerpunkte gesetzt. Kauermann glaubt nicht, dass es in Berlin zu viele Banken gebe. In Deutschland insgesamt kämen durchschnittlich 1400 Einwohner auf eine Bankfiliale, in Berlin seien es auch heute noch 3000. Doch bei der Standortqualität will die Berliner Volksbank schnell optimieren.

Angekurbelt werden soll das Geschäft mit neuen Produkten. Zwar will man generell keine komplizierten eigenen Produkte auf den Markt bringen, sondern die Angebote des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken vertreiben, doch könnten aus diesen "Bausteinen" durchaus auch eigene kreative Produktbündel entstehen.

Auch für die Mitglieder, die Genossen der Berliner Volksbank, soll in Zukunft wieder mehr getan werden. Zwar hat die Bank hier - ebenso wie bei den Kunden - trotz der jahrelangen schlechten Nachrichten keine Verluste zu beklagen, aber Kauermann räumt ein, dass es derzeit schwer zu vermitteln sei, warum man Genossenschaftsmitglied sein sollte, und nicht gleich ein anderes Institut aufsuchen sollte. Spezielle Angebote sollen die "Genossen" in Zukunft stärken an ihre Bank binden. "Die Dividende ist gesichert" sagt Kauermann

Bei der Grundkreditbank, so Kauermann, ist die Neuorientierung abgeschlossen. In dieser Niederlassung ist das Immobilienfinanzierungsgeschäft zusammengeschlossen. Kauermann verhandelt derzeit mit zwei strategischen Partnern, "denn die Risikotragfähigkeit einer regional tätigen Bank reicht kaum aus, um das Immobiliengeschäft im bisherigen Ausmaß zu tragen". Es müsse auf eine breitere Basis gestellt oder aber reduziert werden. Namen will Kauermann nicht nennen, "aber entweder ist das bis zum 30. Juni unter Dach und Fach, oder wir behalten die Grundkreditbank unter eigener Führung".

Verhandelt wird derzeit auch über die Neue Zentrale am Potsdamer Platz. Die Volksbank hat über 400 Millionen Mark dafür bezahlt, und Kauermann hat für die rund 30 000 Quadratmeter eine Kostenmiete von über 80 Mark errechnet. Die Bank brauche im Prinzip nur etwa 10 000 Quadratmeter, alles andere lasse sich in eine technisches Zentrum auslagern, für das dann vielleicht 20 Mark je Quadratmeter zu zahlen seien. Kauermann setzt auf den Genossenschaftsverband, und sagt entsschieden: "Entweder wird das in die Sanierung eingebunden und wir müssen deutlich weniger zahlen, oder wir müssen hier raus".

Grundsätztlich kann sich Kauermann eine Zusammenarbeit mit den Sparkassen im Prinzip vorstellen. Sollte den Sparkassen von Brüssel die öffentlich-rechtliche Grundlage entzogen werden, könnten die beiden Verbünde aufeinander zugehen. Sie seien sich ähnlich.

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