Neue Führung für Siemens : Ohne Frauen

Siemens-Personalvorstand Brigitte Ederer muss gehen, Ralf Thomas wird neuer Finanzvorstand. Damit steht die Mannschaft von Vorstandschef Joe Kaeser.

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Brigitte Ederer muss gehen.
Brigitte Ederer muss gehen.Foto: dpa

Berlin - Die neue Führung von Siemens steht – und sie ist deutlich männlicher als die alte. Am Mittwoch beschloss der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung in Berlin das Ausscheiden von Personalvorstand Brigitte Ederer, natürlich „in gegenseitigem Einvernehmen“. Und da in wenigen Monaten auch die für den Einkauf zuständige Barbara Kux mit Ablauf ihres Vertrages den Konzern verlässt, führt der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser demnächst eine achtköpfige Männerrunde. Der langjährige Finanzvorstand Kaeser hatte vor einigen Wochen Peter Löscher an der Spitze abgelöst, nachdem dieser das Vertrauen der Aufsichtsratsspitze um Gerhard Cromme verloren hatte. Als neuen Finanzchef bestellte der Aufsichtsrat nun Ralf Thomas (52), der bislang in der Industriesparte des Konzerns für die Finanzen zuständig war.

Technologievorstand Klaus Helmrich (55) übernimmt zusätzlich den Posten des Arbeitsdirektors und somit die bisherige Funktion von Brigitte Ederer. Wegen des Fachkräftebedarfs halte der Aufsichtsrat „eine enge Verzahnung des Technologie- und Personalressorts für angemessen“. Die wirklichen Gründe für den Rausschmiss von Ederer, deren Vertrag eigentlich bis 2015 läuft und die nun mit einer millionenschweren Abfindung rechnen kann, werden bei einem anderen Satz in der Erklärung des Aufsichtsrates deutlich: „Insbesondere von der Arbeitnehmerseite“ werde die neue Struktur im Vorstand „stark unterstützt“.

Tatsächlich hat die österreichische Sozialdemokratin Ederer bei Betriebsräten und der IG Metall jeden Kredit verspielt. Es habe grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die Anwendung der Mitbestimmung gegeben, hieß es am Mittwoch im Betriebsrat. Ederer war Siemens-Chefin in Österreich, Abgeordnete im österreichischen Nationalrat, Staatssekretärin und Bundesgeschäftsführerin der SPÖ. Wenn sich ihr Landsmann Peter Löscher bei ihrer Berufung in den Siemens-Vorstand 2010 gedacht haben sollte, die „rote“ Ederer werde ein verträgliches Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern pflegen, dann hat er sich geirrt. Dem Vernehmen nach hat die Arbeitnehmerseite schon früher die Abberufung Ederers gefordert. „Wir Arbeitnehmervertreter haben ihr in harten Auseinandersetzungen aber auch versucht zu vermitteln, dass Betriebsräte in wirtschaftlichen Fragen und in Fragen der Unternehmenskultur angehört werden wollen“, sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, Birgit Steinborn.

Bei Barbara Kux, die als erste Frau überhaupt in der damals 160-jährigen Unternehmensgeschichte 2008 in den Vorstand berufen wurde, gibt es andere Gründe für den Abschied. Der von Kux verantwortete Einkauf wird künftig nicht mehr zentral, sondern in den operativen Einheiten (Gesundheit, Industrie, Infrastruktur und Energie) gesteuert, die Funktion von Kux entfällt also.

Neben den Änderungen im Vorstand befasste sich der Aufsichtsrat mit sich selbst. Nachdem der frühere Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann (65), auf eigenen Wunsch das Gremium Ende des Monats verlässt, bestellte der Aufsichtsrat den Ko-Vorstandsvorsitzenden von SAP, Jim Hagemann Snabe (47), zum neuen Mitglied. Mit ihm stärke man vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung „die Technologie- und Softwarekompetenz im Aufsichtsrat“, erläuterte Cromme die Personalie. Ackermann war indes nicht nur normaler Aufsichtsrat, sondern neben IG-Metall-Chef Berthold Huber der zweite Stellvertreter Crommes. Diese Funktion nimmt künftig der frühere Bayer-Chef Werner Wenning wahr, der bereits seit Anfang des Jahres im Aufsichtsrat sitzt.

Der Rückzug von Ackermann hängt zusammen mit der Führungskrise vor wenigen Wochen. Aufsichtsratschef Cromme wollte Löscher wegen Erfolglosigkeit absetzen, Ackermann war nicht glücklich über das Prozedere der sich über Tage ziehenden Führungskrise. Kurzzeitig sah es so aus, als würde Cromme selbst mit aus dem Amt fliegen, weil Löscher nur zurücktreten wollte, wenn auch Cromme ginge. Ackermann wurde als neuer Aufsichtsratschef gehandelt. Aber gleichzeitige Wechsel an der Spitze von Vorstand und Aufsichtsrat waren den meisten Aufsichtsräten zu riskant, und Löscher ließ sich dann doch zum Rücktritt überreden.

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