Wirtschaft : Neue Fusionspläne der Deutschen Telekom

MADRID (ze). Die Gerüchteküche brodelt wieder: Die Deutsche Telekom soll mit der spanischen Telefongesellschaft Telefónica über eine Fusion verhandeln. Telefónica dementiert, bei der Telekom heißt es: kein Kommentar. Sollte die Fusion zustandekommen, hätte die Telekom Zugang zum spanischen Markt mit einem Volumen von 23 Mrd. DM. Auch der Beratervertrag Martin Bangemanns mit der Telefónica bekäme dann eine ganz neue Dimension.Der Chef des spanischen Telefon-Riesen Telefónica, Juan Villalonga, war schon immer für spektakuläre Entscheidungen gut. Die Verpflichtung des ehemaligen deutschen EU-Kommissars Martin Bangemann als sein künftiger persönlicher Berater war seine vorerst letzte Überraschung, die wegen ihrer fragwürdigen Umstände heftige Proteste auslöste. Demnächst könnte eine weitere Bombe hochgehen: Wenn Telekom und Telefónica zusammengehen, wie der deutsche Börseninformationsdienst "Platow Brief" meldete, würden sie den wohl mächtigsten Telekommunikationskonzern Europas formierenFreilich wird derzeit alles dementiert. In der Branche ist es aber kein Geheimnis, daß sich sowohl die Deutschen als auch die Spanier nach weiteren Partnern umschauen, um im internationalen Wettbewerb ganz vorne mitzuspielen. Und natürlich sprechen bei diesen Sondierungen auch Telekom und Telefónica miteinander.Sollten die Gespräche tatsächlich von Erfolg gekrönt sein, könnte plötzlich der Fall Bangemann, der zuletzt ja zunehmend zum Reinfall zu werden drohte, doch noch ein lohnender Einkauf werden. Ein früherer EU-Kommissar, Fachmann für den europäischen Telekommunikationsmarkt, dazu noch Deutscher, im Vorstand der spanischen Telefónica - das würde die Verbindung zur Deutschen Telekom zweifellos vereinfachen. Bangemann könnte dann die Rolle des Vermittlers spielen. Das würde zu seinem neuen Jobprofil passen: Strategische Planung, die Eroberung neuer Märkte und Gründung von Allianzen.Spaniens Telefónica könnte für die Deutschen vor allem als Türöffner für den lukrativen lateinamerikanischen Markt von Bedeutung sein. Der spanische Konzern ist jetzt schon der größte und wichtigste Telekommunikationsanbieter in Mittel- und Südamerika und investiert derzeit Milliarden Dollar in die Erschließung dieses Wachstumsmarktes. Hier könnte die Telekom zweifellos mitverdienen. Auch in Nordafrika steht Telefónica in den Startlöchern.Die Interessen der Deutschen in Spanien könnten auch von zwei weiteren Dingen inspiriert werden: Die geplatzten Fusionspläne der Telekom mit der Telecom Italia und die gerade von den Franzosen aufgekündigte strategische Allianz mit France Télécom. Die Franzosen sind vor einem Jahr auf den spanischen Markt geprescht und betreiben hier die mit Niedrigtarifen höchst erfolgreiche Telefon-Gesellschaft UNI2. Früher hätte France Télécom den Deutschen ein Engagement beim spanischen Hauptkonkurrenten Telefónica übel genommen. Seit die Telekom die Franzosen mit ihren Italienplänen verstimmte, ist dieses Hindernis beseitigt. Eine Sprecherin der France Télécom gab am Freitag in Paris bekannt, daß das Unternehmen seinen zweiprozentigen Anteil an der Telekom im nächsten Jahr verkaufen will.Der spanische Weltkonzern, größtes Unternehmen des Landes mit glänzenden Beziehungen zu Spaniens Regierung, gilt als kerngesund. Der Börsenwert des früheren Staatsbetriebes hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verfünffacht. Der Gewinn lag 1998 bei 2,6 Mrd. DM - also keine schlechte Partie. In Spanien werden derzeit 52 000 Menschen beschäftigt, weltweit sind es doppelt so viel. Verglichen mit dem Potential der Deutschen Telekom wäre die Telefónica gleichwohl so etwas wie die kleine Schwester. Zusammen würden beide den größten Telekommunikationskonzern Europas entstehen lassen.

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