Wirtschaft : Neue Gasquellen

Die Berliner Gasag bekommt einen dritten Konkurrenten. Wechselwillige müssen sich aber schon bald entscheiden

Bernd Hops

Berlin - Die Auswahl für Berliner Gaskunden wird größer. Seit dieser Woche drängt auch die Deutsche Erdgashandelsgesellschaft (DEH) über die Marke Klickgas auf den Markt und versucht, dem bisherigen Monopolisten Gasag private Verbraucher abzujagen. Im Gegensatz zu den bisherigen Wettbewerbern setzt Klickgas aber nicht auf spürbar niedrigere Preise, sondern auf eine 24-monatige Preisgarantie. „Ein Festpreis wird den Kunden immer wichtiger“, sagte Burkhard Schneider, Geschäftsführer der DEH, dem Tagesspiegel am Donnerstag. Zunächst sammle die DEH mit Klickgas Erfahrungen auf dem Berliner Markt. Später sei auch ein Auftritt in anderen Regionen Deutschlands möglich. Der langjährige Berliner Monopolist Gasag prüft derzeit eine Neuauflage seines Festpreisangebots, das es zwischenzeitlich gab.

Die Erdgasversorger in Deutschland waren in den vergangenen Monaten mehrfach in den Blick der Gerichte geraten, weil sie die Preise angehoben hatten. Die neue Sensibilität der Verbraucher wollen alternative Versorger nutzen. Sie haben aber Probleme, ihr Gas an die Endverbraucher zu bringen (siehe Kasten). Verbraucherschützer sind deshalb auch skeptisch. Thorsten Kasper, Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), sagte: „Der Gasmarkt ist zurzeit in Deutschland total unterentwickelt.“ Auch wenn es immer wieder neue Anbieter gebe, sei ein nennenswerter Preisdruck bisher nicht entstanden, sagte Kasper. Die Bundesnetzagentur – die oberste Behörde, die beim Gas auf den Wettbewerb achtet – müsse für einfachere Modalitäten sorgen, damit alternative Anbieter Gas durch die Netze leiten können.

Die Versorgung der Verbraucher ist in jedem Fall gesichert. Sollte sich ein Kunde für einen neuen Anbieter entscheiden, der aber die Lieferung einstellt, springt automatisch der örtliche Versorger ein.

Klickgas ist der vierte Gasversorger in Berlin. Eine Kilowattstunde (kWh) kostet 5,60 Cent bei einem monatlichen Grundpreis von 17,50 Euro. Um zum 1. Oktober beliefert zu werden, müssen sich die Kunden bis spätestens 31. August zum Wechsel entscheiden. Da sich die Unternehmen am so genannten Gashandelsjahr orientieren, ist ein Wechsel danach erst zum 1. Oktober 2007 möglich. Beim zweiten alternativen Anbieter Nuon kostet eine kWh 5,5 Cent bei 14,90 Euro Grundgebühr. Dafür sind aber – je nach Entwicklung der internationalen Energiepreise – nach zwölf Monaten Anhebungen möglich. Für den Liefertermin 1. Oktober ist der Wechsel spätestens zum 15. August nötig. Der dritte neue Versorger Flexgas hat bisher noch kein Tarifmodell veröffentlicht, verspricht aber einen Preisnachlass von mindestens fünf Prozent im Vergleich zum Wettbewerb – falls Flexgas in Berlin überhaupt zum Zuge kommt. Das Unternehmen hat keinen Zugriff auf eigene Gaslieferungen, sondern muss sich mit der Gasag über ein Beistellungsmodell (siehe Kasten) einigen – im Gegensatz zu Nuon, einem großen niederländischen Versorger, und zur DEH, einer Tochter der Eon-Ruhrgas-Beteiligung Thüga.

Der größte Versorger, die Gasag – an der die Thüga mit fast 37 Prozent ebenfalls beteiligt ist –, verlangt in dem meistgenutzten Tarif je kWh 5,104 Cent und eine Grundgebühr von 15,08 Euro. Ein scharenweises Abwandern von Kunden gebe es nicht, sagte ein Sprecher. Die neuen Anbieter sind trotzdem zufrieden mit der Resonanz. Die Nachfrage erfülle die Erwartungen, heißt es bei Nuon. Bei Flexgas hat man ebenfalls großes Interesse registriert.

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