Wirtschaft : Neue Geschäftsideen für BenQ Mobile

Handyhersteller soll Geräte für Dritte bauen

Corinna Visser

Berlin - Mit einem neuen Geschäftsmodell will der Insolvenzverwalter von BenQ Mobile das Unternehmen retten. Das Modell sieht vor, dass sich BenQ Mobile, die ehemalige Siemens-Handysparte, künftig darauf konzentriert, Mobiltelefone „für große und bekannte Auftraggeber mit eigener Marke zu entwickeln und zu designen“. Als mögliche Auftraggeber hat Insolvenzverwalter Martin Prager Netzbetreiber, Mobiltelefonhersteller sowie Markenunternehmen aus anderen Bereichen wie Mode, Sport oder Internet im Sinn. Die sollen die Handys dann unter ihrer jeweiligen Eigenmarke vertreiben. Dazu seien bereits Anfang der Woche Gespräche mit interessierten Unternehmen und Investoren aufgenommen worden, teilte Prager am Freitag mit.

Am Abend zuvor hatte der Insolvenzverwalter zu einem ersten runden Tisch geladen, bei dem sowohl Vertreter der Bundesagentur für Arbeit, der Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern, von Siemens und der IG Metall geladen waren. Bei der insolventen BenQ Mobile sind rund 3000 Arbeitsplätze in München und den beiden Fertigungsstandorten Kamp Lintfort und Bocholt in Nordrhein-Westfalen in Gefahr.

Die IG Metall sieht Siemens in der Verantwortung. Der Konzern komme seinen Verpflichtungen bei der deutschen BenQ nicht nach, erklärte die Gewerkschaft am Freitag. Das habe auch Konsequenzen für die Verhandlungen um Zugeständnisse im Rahmen der von Siemens angekündigten Neuausrichtung des IT-Dienstleisters SBS. „Bevor diese massive Vertrauenskrise nicht aufgeklärt ist, werde ich nicht so wahnsinnig sein und noch einmal einen Vertrag unterschreiben“, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Bei den Gesprächen am runden Tisch hätten die Teilnehmer Siemens klar gemacht, dass es nicht einfach darum gehe, eine Auffanglösung für die Beschäftigten von BenQ mobile zu finden. „Die Priorität muss auf der Fortführung des Unternehmens liegen“, sagte Franz Tölle von der IG-Metall-Bezirksleitung NRW.

Nach dem neuen Geschäftsmodell, das Insolvenzverwalter Prager vorstellte, soll sich BenQ Mobile künftig auf Entwicklung und Design konzentrieren. „Das bedeutet nicht das Ende der Fertigung in Deutschland“, sagte seine Sprecherin. „Es wird auch künftig eine Fertigung geben. Offen ist in welchem Umfang.“ Prager kündigte „strukturelle und personelle Anpassungen“ an. Aber auch hier seien Art und Umfang noch offen.

„Im Prinzip gibt es erfolgreiche Geschäftsmodelle dieser Art“, sagte Analyst Nicolas vom Stackelberg vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Siemens hat jedoch zuletzt keine Produkte entwickelt, die die Leute begeistert haben. Ich kann nicht sehen, was sich daran verändert haben soll.“ Andere Branchenexperten betonen, dass es zwar erfolgreiche Auftragsfertiger gibt, aber sie sitzen alle in Asien. Dennoch sagt Pragers Sprecherin: „Es gibt Investoren, die bei uns anklopfen.“

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