Wirtschaft : Neue Großbank aus München

Hypo Real Estate kauft Depfa für 5,7 Milliarden Euro

Frankfurt am Main - Mit der Milliardenübernahme des Staatsfinanzierers Depfa steigt der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) in die Topliga der deutschen Banken auf. Für 5,7 Milliarden Euro in Aktien und Bargeld übernimmt HRE mit Sitz in München die Depfa vollständig – ein Aufpreis von 17 Prozent zum letzten Schlusskurs. Das neue Institut, das einen anderen Namen bekommen soll, wird mit einer Bilanzsumme von rund 397 Milliarden Euro die viertgrößte deutsche Privatbank und damit größer als die einstige HRE-Mutter Hypo-Vereinsbank. Nach der einstimmigen Zustimmung der Boards beider Unternehmen müssen die Aktionäre der Depfa und die Wettbewerbsbehörden dem Kauf noch zustimmen.

Trotz seiner Größe bleibt das neue Institut ein Spezialfinanzierer. Es vereint jedoch das Geschäft mit der Finanzierung von Immobilien der Hypo Real Estate – die Nummer zwei in Deutschland nach der Eurohypo – mit dem von Staaten und Kommunen, auf das die Depfa als zweitgrößter Anbieter in Europa nach der belgischen Dexia spezialisiert ist.

Gemeinsam wollen Hypo Real Estate und Depfa nun zudem genug Kapitalgewicht in die Waagschale werfen, um bei großen Immobilientransaktionen und beim boomenden Geschäft der Infrastrukturfinanzierung über Öffentlich-Private-Projekte (PPP) gegen große Spieler zu punkten, sagte Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke.

Funke, der Vorstandschef des neues Instituts bleibt, begründete den Kauf, dessen Preis beim 10,2-Fachen des Gewinns der Depfa liegt, mit einer breiteren Aufstellung, die zu weniger zyklischen Gewinnschwankungen führe. Er erwartet Synergien von mindestens 60 Millionen Euro jährlich. Entlassungen bei den rund 2000 Stellen solle es nicht geben.

Die HRE wurde 2003 von der Hypo- Vereinsbank abgespalten. Die Depfa entstand 2002 durch die Aufteilung der Deutschen Pfandbriefbank in Depfa und die damals angeschlagene Aareal Bank.

Experten bewerteten die Übernahme gemischt. „Wir haben Zweifel, ob dieser Deal strategisch sinnvoll ist“, sagte Analyst Robert Mazzuoli von der Landesbank Baden-Württemberg. Der HRE-Kurs sackte am Montag um 6,2 Prozent ab.

Kräftig verdienen wird Depfa-Chef Gerhard Bruckermann. Für seine gut acht Millionen Anteile an der Depfa erhält er gut 126 Millionen Euro. Er wechselt in den Aufsichtsrat des neuen Instituts, übernimmt aber nicht dessen Vorsitz, der bei Kurt Viermetz bleibt. bas/ben (HB)

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