Wirtschaft : Neue Hackordnung im Dax

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Von Daniel Rhee-Piening

Diesmal kann sich die Deutsche Börse des Beifalls gewiss sein. Die Neugewichtung innerhalb des Deutschen Aktienindex (Dax) und der anderen führenden deutschen Kursbarometer (M-Dax, Nemax 50) war von der Mehrzahl der Börsenteilnehmer seit längerem gefordert worden. Unternehmen mit einem breit gestreuten Anteilsbesitz, dem so genannten Free Float, erhalten von Montag an ein größeres Gewicht im Index, Aktiengesellschaften, deren Aktien sich zu größeren Teilen in festen Händen von Großaktionären befinden, verlieren an Gewicht.

Bisher wurden einfach alle am Markt befindlichen Aktien mit dem Kurs multipliziert und so die Marktkapitalisierung errechnet. Diese war dann entscheidend für das Gewicht im Index. Dabei spielte keine Rolle, ob die Aktien in Wirklichkeit überhaupt handelbar waren. Als Festbesitz, so hat es die Deutsche Börse nun festgelegt, gelten Anteile eines Aktionärs, die addiert mindestens fünf Prozent des Grundkapitals ausmachen. Nicht als Festbesitz gelten hingegen Anteile von Vermögensverwaltungs- und Fondsgesellschaften, da diese im Prinzip jederzeit verkauft werden können. Gleichzeitig berücksichtigt die Deutsche Börse künftig bei Unternehmen, die sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktien haben, nur noch eine Aktiengattung – die liquidere.

Für Fonds und Anleger, die sich bei ihren Investitionen an der Gewichtung des Dax orientieren heißt das, sie müssen die nun stärker gewichteten Papiere nachkaufen und weniger stark gewichtete Papiere verkaufen. Für Aktien mit hohem Streubesitz kann also in den kommenden Tagen mit Kurssteigerungen gerechnet werden.

Wenn die Neugewichtung an diesem Montag umgesetzt wird, führt dies dazu, dass die Dax-Familie die Wirklichkeit an den deutschen Kapitalmärkten etwas genauer abbildet. Mit der Neuordnung passt sich die Deutsche Börse auch den internationalen Standards an. So hat der weltgrößte Anbieter von Indexprodukten Morgan Stanley Capital International (MSCI) Anfang Juni seine Börsenbarometer ebenfalls am Streubesitz orientiert. Für die Deutsche Börse steht fest: „Durch das Streubesitzkriterium wird die Auswahl der Unternehmen in den Aktienindizes fairer und transparenter.“ Rolf Drees, Sprecher von Union Invest, begrüßt die Umstellung. „Eine gute Idee“, sagt er. Taschenspielertricks wie die sehr hohe Gewichtung der T-Aktie seien in Zukunft nicht mehr möglich. Das Papier der Telekom war immer ein Schwergewicht des Dax gewesen, und die Fonds mussten sich entsprechend engagieren. Doch rund 43 Prozent der Telekom-Aktien befinden sich in Staatsbesitz, was einer künstlichen Verknappung gleichkommt.

Zu den Gewinnern der „Reform“ werden die Aktien von Siemens gehören (siehe Tabelle). Sie werden die Aktien der Allianz als schwersten Dax-Wert ablösen. Während die Siemens-Aktien zu rund 97 Prozent frei handelbar sind, befinden sich die Allianz-Papiere zum großen Teil in Besitz der Münchener Rück, der Deutschen Bank und der Hypo-Vereinsbank. Verlierer im Dax wird auch BMW sein, denn künftig werden nur noch die Stämme berücksichtigt.

Auf mögliche negative Auswirkungen der Umstellung hat die Commerzbank aufmerksam gemacht. Der Anteil der fünf schwersten Titel im Dax wird um rund drei Prozentpunkte auf knapp 45 Prozent steigen. Anleger, die sich auf kleinere Titel im Index spezialisiert haben, sollten also künftig der täglichen Dax-Veränderung keine übermäßige Bedeutung beimessen, sondern die Kursbewegungen ihrer Titel genauer verfolgen.

Bei kleineren Titeln droht aber auch die Gefahr des Ausschlusses. Am 14. August will die Börse über die Neu-Zusammensetzung des Kursbarometers sprechen. Ausschlusskandidaten sind Fresenius Medical Care, MLP und Degussa. Neu aufrücken könnten Altana, Beiersdorf und die Aktie der Deutschen Börse. Manche Analysten sehen deshalb bei diesen Titeln durchaus noch Kurschancen. Doch die Börsianer sind in der Frage, ob es am Montag wegen der Indexumstellung zu starken Kursschwankungen kommt, gespalten. „Untersuchungen haben gezeigt, dass das Gros der Anpassungen zumeist direkt nach der Ankündigung einer Indexveränderung geschieht“, sagt Claudia Volk, Anlagestrategin bei WestLB Panmure. Auch der Sprecher der DWS, Thomas Richter, winkt ab. „Bei uns gibt es keine indexgebundenen Fonds. Alle Fonds der DWS werden aktiv gemanagt.“

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