Wirtschaft : Neue Hilfe für Griechenland Geld gibt es auch, wenn Auflagen verletzt werden

Madrid/Düsseldorf - Frisches Geld für Griechenland, neue Schulden in Spanien, und jetzt sollen selbst deutsche Rentner Griechenland helfen. Die Euro-Krise treibt immer neue Blüten.

Nach Informationen von „Focus“ und „Wirtschaftswoche“ soll Griechenland selbst dann Geld von der EU bekommen, wenn das Land gegen die Sparauflagen verstößt. Hintergrund sei die Angst vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands mit anschließendem Euro-Austritt. „Die Angst vor einem Dominoeffekt ist zu groß“, sagte ein EU-Diplomat der „Wirtschaftswoche“. In Brüssel wurden die Berichte nicht bestätigt. Es bleibe bei dem Verfahren, dass zunächst die „Troika“ der internationalen Geldgeber im Oktober ihren Bericht über die Athener Fortschritte bei den Reformen vorlege und dann entschieden werde, hieß es. Am 8. Oktober kommen die Finanzminister der Eurogruppe zusammen.

„Der Troika-Bericht wird so ausfallen, dass die Politik das Geld freigeben kann“, zitiert der „Focus“ hingegen aus Kreisen des Europäischen Parlaments. In Brüssel und auch in der Bundesregierung sei niemand bereit, einen Euro-Austritt Athens mit unabsehbaren Ansteckungseffekten zu riskieren.

Neue Probleme gibt es auch in Spanien. Die Notkredite für die maroden Banken treiben die Verschuldung des Euro-Krisenlandes in die Höhe. Die gesamtstaatlichen Schulden werden von geschätzten 85,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr auf ein Rekordniveau von 90,5 Prozent im kommenden Jahr steigen. Dies geht aus dem Haushaltsentwurf für 2013 hervor, den Finanzminister Cristóbal Montoro am Samstag dem Parlamentsvorsitzenden Jesús Posada überreichte. Die spanische Regierung hatte die Neuverschuldung 2012 ursprünglich auf 79,8 Prozent beziffert. Der spanische Staat plant für 2013, Anleihen im Umfang von insgesamt 207,2 Milliarden Euro am Markt zu platzieren. Die Zinsen, die Spanien für seine Schulden zahlen muss, verzehren fast ein Viertel des gesamten Budgets für 2013. Mehrere zehntausend Spanier und Portugiesen protestierten am Samstag in den Hauptstädten Madrid und Lissabon gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen.

Um die Euro-Krise zu lösen, sollen jetzt auch deutsche Rentner helfen. Der IWF will Rentner und Pensionäre für einen Expertenpool gewinnen, um ein funktionierendes Finanzsystem in Griechenland aufzubauen, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Daneben halten sich seit November 2011 schon rund 170 Steuerexperten aus deutschen Landes- und Bundesfinanzbehörden bereit, um Griechenland beim Aufbau einer effizienten Finanzverwaltung zu helfen. Allerdings sind erst sieben von ihnen zum Einsatz gekommen. hej/dpa/rtr/AFP

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