Wirtschaft : Neue Hindernisse für Eon Endesa-Übernahme vor der Entscheidung

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Düsseldorf/Madrid - Kurz vor der Entscheidung finden Spaniens Behörden neue Argumente gegen die geplante Übernahme des spanischen Versorgers Endesa durch den Düsseldorfer Energiekonzern Eon. Zum größten Hindernis könnte dabei die Ministererlaubnis beim Kauf der Ruhrgas vor vier Jahren werden. Die spanische Energieaufsichtsbehörde CNE konzentriert sich bei ihrer kritischen Prüfung des Eon-Gebots offenbar vor allem auf das damals festgelegte Mitspracherecht der deutschen Regierung bei einer Veräußerung von Eon oder Ruhrgas. Wenn die Behörde Auflagen verhänge, werde sie dies vermutlich mit Ruhrgas begründen, heißt es in informierten Branchenkreisen. Die Fragen an Eon hätten vor allem in diese Richtung gezielt.

Nach monatelanger Prüfung wird die CNE vermutlich am Donnerstag über das 27 Milliarden Euro schwere Gebot von Eon für den größten spanischen Stromkonzern entscheiden. Für Eon ist dies im Übernahmekampf mit dem konkurrierenden Bieter Gas Natural die größte Hürde. Die spanische Regierung steht Eons Plänen kritisch gegenüber und würde lieber durch eine Fusion von Gas Natural und Endesa einen nationalen Energiechampion schaffen. Sie hat die CNE deshalb per Dekret ermächtigt, die Fusion zu prüfen und sie gegebenenfalls zu blockieren.

Die CNE muss eine Ablehnung oder strenge Auflagen damit begründen, dass die Sicherheit der Versorgung gefährdet würde. Schon zu Beginn hatte die spanische Regierung die Kritik am eigenen Protektionismus mit dem Hinweis gekontert, Deutschland habe bei Eon auch ein Mitspracherecht. Sie verwies auf die Ministererlaubnis, mit der das Bundeswirtschaftsministerium im Sommer 2002 die Übernahme der Ruhrgas durch Eon genehmigte. Dabei sicherte sich die Regierung als eine Auflage das Recht, bei einer Übernahme von Eon den Verkauf der Ruhrgas verlangen zu können.

In diesen Tagen wurde in spanischen Medien sogar berichtet, die CNE wolle für die Übernahme von Endesa den Verkauf der Ruhrgas zur Auflage machen. In den Branchenkreisen wird das zwar als unrealistisches Szenario bewertet. Die CNE könnte die Ministererlaubnis allerdings für vergleichbar harte Auflagen heranziehen, heißt es. Im Gespräch ist unter anderem der Verkauf eines Großteils von Endesas Kraftwerken.

Das Bundeswirtschaftsministerium und Eon bekräftigen ihre Haltung, dass es sich bei der Ministererlaubnis nicht um ein Vetorecht handele, da das Ministerium letztlich die Übernahme von Eon durch einen Interessenten nicht verhindern könne. juf/scm/HB

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