Wirtschaft : Neue Hoffnung für Wadan-Werft

Investor will insolventes Unternehmen kaufen

Carsten Brönstrup
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Auf der Straße. Werftarbeiter demonstrierten für ihre Arbeitsplätze. Foto: ddpddp

Berlin - Für die insolventen Wadan-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde gibt es neue Kaufinteressenten. Der Russe Igor K. Jussufow, Aufsichtsrat beim Energiekonzern Gasprom und früher Energieminister des Landes, sowie sein Sohn Witalij wollen den Betrieb für gut 40 Millionen Euro kaufen, wie der Tagesspiegel aus Unternehmenskreisen erfuhr. Jussufow verhandelte am Mittwoch in Berlin mit Politikern des Bundes und aus Mecklenburg-Vorpommern über die Bedingungen. Allerdings wollen die Investoren offenbar nur 1600 der 2400 Beschäftigten übernehmen. Den Angaben zufolge gab es in den vergangenen Tagen Gespräche mit mehreren Investoren – „das ist in dieser Phase der Insolvenz nichts Ungewöhnliches“, sagte ein Sprecher des Wadan-Insolvenzverwalters Marc Odenbach. Dabei sei es oft um die Herauslösung verschiedener Unternehmensteile im Rahmen der Insolvenz gegangen. Jussufow ist dagegen offenbar an einer Gesamtübernahme interessiert.

Anfang Juni hatten die Wadan-Werften Insolvenz angemeldet. Die russischen Mehrheitseigentümer, die Investmentgesellschaft FLC West, hatten sich geweigert, weiterhin Geld zur Verfügung zu stellen. Dies war für die Zwischenfinanzierung von zwei im Bau befindlichen Schiffen für die Reederei Stena Line nötig. Die Lage der Schiffbau-Branche ist weltweit angesichts der Wirtschaftskrise und des eingebrochenen Welthandels schwierig.

Bund und Land halten die Wadan- Werften aber für überlebensfähig. In den vergangenen Monaten hatten sie dem Unternehmen wiederholt Kredite und Bürgschaften gewährt. In der Region hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Wahlkreis. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, für die Werften einen Käufer zu finden. Seit 1. August arbeiten die 2400 Wadan-Leute in einer Beschäftigungsgesellschaft, die zu großen Teilen vom Staat finanziert wird.

Jussufow tritt offenbar als unabhängige Person auf, nicht im Auftrag Gasproms. Er traf sich am Mittwoch in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns mit Sellering, Landes-Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) sowie Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU). „Es zeichnet sich eine Lösung ab, dass wir eine hohe Anzahl von Arbeitsplätzen erhalten können“, sagte Sellering nach dem Treffen. Zum Russland-Besuch von Merkel an diesem Freitag werde „wohl schon ein Vertrag vorliegen“. Die näheren Bedingungen für eine Übernahme müsse nun Jussufow mit dem Insolvenzverwalter verhandeln. Zentraler Punkt sei aber, dass der Investor für Aufträge sorgen müsse. „Eine Werft ohne Arbeit lebt nicht sonderlich lange“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Ein Regierungssprecher nannte das Konzept Jussufows einen „interessanten Ansatz“, auch wenn es noch offene Fragen gebe. Merkel werde darüber mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew sprechen.

Die IG Metall begrüßte das Interesse Jussufows. Wadan verfüge über das Know-How für den Bau eistauglicher Frachter und Schiffe, die Russland benötige, sagte Thomas Rickers, Bevollmächtigter für Lübeck-Wismar, dem Tagesspiegel. Die Zahl von 1600 Beschäftigten, die bleiben sollten, nannte er aber „Zahlenspielereien“. Für die Produktion seien wesentlich mehr Arbeiter nötig. Rickers plädierte für eine direkte Minderheitsbeteiligung des Staates an den Wadan-Werften „wie bei VW“. Er begründete dies mit den schlechten Erfahrungen, die man mit dem bisherigen russischen Investor gemacht habe. Für eine „Übergangszeit bis zu einer Stabilisierung“ könne die Bundesrepublik damit zeigen, wie wichtig ihr das Unternehmen sei.Carsten Brönstrup

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