Wirtschaft : Neue Investoren gesucht Energieversorger sind überfordert

Berlin - Ohne Partner mit Geld wird es nicht gehen. Bei der EnBW zum Beispiel, dem kleinsten der vier großen Energieversorger hierzulande, wird der Investitionsbedarf für Erneuerbare in den kommenden zehn Jahren auf acht bis zehn Milliarden Euro geschätzt. Das schafft die Firma nicht allein und sucht sich deshalb Ko-Investoren. Die Hälfte eines Windparks in der Ostsee hat EnBW an 19 Stadtwerke verkauft. „Der finanzielle Spielraum ist bei allen Marktteilnehmern geringer geworden“, erläuterte EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer. Also müssen neue her. Wie Versicherungen und Pensionsfonds.

Mit der Finanzierung der Energiewende, für die bis zu 300 Milliarden Euro veranschlagt werden, befasste sich am Mittwoch eine Tagung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin. Nach Einschätzung von Rainer König von Ernst & Young müssen allein die deutschen Lebensversicherungen 1,25 Billionen Euro anlegen – warum nicht in neue Stromnetze? „Man gewinnt die für diese regulierten Bereiche“, sagte König. „Der Netzausbau und solche Investoren passen gut zusammen.“ Die Renditen sind bescheiden, aber zuverlässig. Und so wird für den Berater „die Energiewende finanzierbar“.

Das wird schwer genug. Wer soll noch konventionelle Kraftwerke für die Grundlast bauen, wenn deren Einsatzzeiten wegen des Vorrangs des erneuerbaren Stroms unkalkulierbar werden, fragte EnBW-Vorstand Kusterer. Und was tut sich auf der Nachfrageseite mit der Energieeffizienz, also dem Stromsparen? Nach Angaben von Frank Stein, Umweltdezernent in Leverkusen, müssen hierzulande allein 170 000 Gebäude in kommunaler Hand energetisch saniert werden.

Wenn die EU-Energieeffizienzrichtlinie wirklich kommt, wie von der Kommission geplant, wären jedes Jahr drei Prozent der Gebäude zu sanieren – heute sind es höchstens 1,5 Prozent. Und die Kommunen sind klamm und schieben einen Investitionsstau von 100 Milliarden Euro vor sich her. „Dabei ist Geld da“, sagt Stein. Etwa bei Bürgern, die in Energiesparbriefe oder Genossenschaftsanteile investieren. Schließlich könne es gar nicht genug Investoren geben für die Energiewende. alf

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