Wirtschaft : Neue Jobs für Berlin: Ein Stellen-Portal für alle Universitäten

Alexander Funk

Ehrgeizige Ziele haben sich die verschiedenen Career Center der Berliner Hochschulen gesteckt: Statt wie bisher nur die eigenen Studenten zu beraten, zu qualifizieren und Praktika- oder Stellenangebote zu vermitteln, sollen die Berliner Universitäten bei diesen Fragen in Zukunft enger zusammenarbeiten. Um dies zu erreichen, wurde vor rund einem Jahr im Rahmen der "Initiative für Beschäftigung" das Projekt "Career Service Center" gestartet, bei dem Vertreter der Hochschulen und der regionalen Wirtschaft gemeinsam nach Wegen suchen, um den Dialog zwischen Universitäten und Unternehmen zu vertiefen.

"Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, für das spätere Berufsleben praxisrelevante Seminare auch hochschulübergreifend, anzubieten, die bestehenden Rekrutingveranstaltungen der Hochschulen untereinander zu koordinieren und neue Vermittlungsinstrumente für Stellen und Praktikumsplätze zu erproben", erzählt Sven Weickert, der innerhalb des Projektes die Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg vertritt. Außerdem würde man im Hinblick auf die knappe Haushaltslage der Hochschulen auch an neuen Finanzierungskonzepten für diese Aufgaben arbeiten, erklärt Weickert.

Viele Ideen bisher nur auf dem Papier

Doch viele der Ideen stehen bisher nur auf dem Papier und erst ein Projekt wurde tatsächlich in Angriff genommen: Ein internetbasiertes Job-Portal. "Bisher mussten Unternehmen ihre Stellen- oder Praktikaangebote an jedes Career Center einzeln versenden. Bei unserem Job-Portal reicht es, das jeweilige Angebot einmal auf der Internetseite einzugeben, dann wird es automatisch elektronisch an die verschiedenen Career Center in Berlin weitergeleitet", so Weickert. Diese würden in Zukunft dann eine Vorauswahl unter ihren Studenten und Absolventen treffen, um den Unternehmen - je nach Anforderungsprofil - nur ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zu vermitteln. Kostenlos werde der neue Service jedoch nicht sein: "Wir haben Finanzierungsprobleme an den Berliner Universitäten, und daher müssen Unternehmen, die unsere Serviceleistung in Anspruch nehmen wollen, dafür in Zukunft auch bezahlen", erklärt Dieter Grün, Leiter des Career Center der Freien Universität Berlin.

In den vergangenen Wochen ist das anfangs sehr erfolgversprechende Projekt ins Stocken geraten. Die Seite www.job-portal.org existiert zwar schon und Unternehmen haben bereits die Möglichkeit, ihre Praktika- oder Stellenangebote einzugeben. Doch zufriedenstellend ist das bestehende Angebot keineswegs: "Ich habe 20 Minuten investiert, um alle Angaben zu einer von mir angebotenen Praktikastelle einzugeben. Als ich damit fertig war, bekam ich nicht einmal eine Rückmeldung, ob meine Offerte tatsächlich an die Hochschulen weitergeleitet wurde", ärgert sich beispielsweise Matthias Wirker, Geschäftsführer des Berliner Transport East-West Teams. Über die Arbeitsgemeinschaft "Career Service Center" erfahre man auf der Seite fast überhaupt nichts und auch sonst biete das Internet-Angebot kaum Informationen über die angebotenen Seminare und Qualifizierungsmaßnahmen der verschiedenen Career Center. Zudem kämen "von allen Angeboten, die bei den Hochschulen eingehen, bisher höchstens ein bis zwei Prozent über das Job-Portal", schätzt Bettina Satory, Mitarbeiterin des Career Centers an der Technischen Universität Berlin.

Grund für das Scheitern des ersten Projektes war vor allem die ungesicherte Finanzierung. "Die Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg haben rund 10 000 Mark in das Job-Portal gesteckt, doch mit diesen begrenzten Mitteln konnte das Job-Portal leider nicht annähernd komplett fertiggestellt werden", erklärt Michael Lüdtke, Leiter des Career Centers der Humboldt Universität. Er rechnet mit Kosten in Höhe von rund 300 000 Mark bis 400 000 Mark, um ein Internet-Angebot mit einem breiten Informationsangebot und einem Stellen- und Praktikamarkt aufzubauen.

Neuen Partner aufgenommen

Für den geplanten Neustart hat Lüdtke einen Partner mit ins Boot genommen: Unter dem Projektnamen "Take Career" will die Deutsche Telekom die Arbeitsgemeinschaft finanziell und mit technischem Know-how unterstützen - vielleicht. Die Telekom hält sich jedoch derzeit noch zurück und will ihr Engagement nicht offiziell bestätigen. Schätzungsweise 150 000 Mark müsste die Telekom beisteuern. Die darüber hinaus erforderlichen Mittel könnten durch die Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg und das Land Berlin bereitgestellt werden. "Die Anträge sind seit Wochen beim Berliner Senat eingereicht, doch aufgrund der zurzeit verhängten Haushaltssperre haben wir leider noch keinen positiven Bescheid seitens der Stadt", sagt Lüdtke. Kommt nicht noch der knapp bemessene Haushalt des Landes Berlins dem aufgestellten Zeitplan nicht in die Quere, könne die erste Version der "Take Career"-Internetseite bereits von diesem Sommer an im Netz zur Verfügung stehen, hofft Lüdtke.

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