Wirtschaft : Neue Jobs gibts erst zuletzt

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Von Ursula Weidenfeld

Wenn es nach den Aktienkursen in den USA, Asien und in Europa geht, dann hat die Weltwirtschaft die Wende offenbar gepackt. Immer weniger wird über Rezession und Deflation diskutiert, statt dessen holen die ökonomischen Experten die Vokabeln Optimismus, Wachstum und Aufschwung wieder aus dem Keller.

Zu Recht. In den USA stehen die Zeichen auf Aufschwung – die enorme Nachfrage der amerikanischen Regierung nach Rüstungsgütern und Sicherheitstechnik im Zusammenhang mit dem IrakKrieg hat dort einen kleinen (auf Pump finanzierten) Boom ausgelöst. Und es spricht einiges dafür, dass sich die Erholung fortsetzt – jedenfalls, solange der Strom nicht wieder ausfällt. Ähnlich sieht es in Asien aus, wo wieder investiert und konsumiert wird.

Auch Europa darf hoffen – auf einen geborgten Impuls: Denn die besseren Aussichten für die Wirtschaft in den USA haben den Euro wieder sinken lassen. Das verbessert die Exportchancen Europas und wird sich in etwa einem halben Jahr auch auf die Wachstumszahlen auswirken. Nur, dass der Impuls für Deutschland diesmal noch schwächer ausfallen wird als sonst. Weil es rund eine Million mehr Arbeitslose als am Ende des letzten Abschwungs gibt – und neue Jobs frühestens im kommenden Jahr zu erwarten sind. Weil die steuerlichen Entlastungen, mit denen die Bundesregierung der Konjunktur helfen will, zu spät kommen – und vermutlich ohnehin zum größeren Teil gespart werden oder für die stärkere private Beteiligung an den Gesundheitskosten draufgehen. Vor dem Hintergrund sind die Aktienhändler schon wieder verdammt optimistisch.

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