Wirtschaft : Neue Jobs mit Hochspannung

Mercedes in Berlin eröffnet die bundesweit erste Werkstatt für Elektroautos und Wasserstoff-Fahrzeuge

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Stecker und Schrauber. Direktor Walter Müller mit zwei Mechanikern.Foto: Mercedes
Stecker und Schrauber. Direktor Walter Müller mit zwei Mechanikern.Foto: MercedesFoto: Daimler AG

Berlin - Erst auf den zweiten Blick unterscheidet sich diese Werkstatt von der jedes anderen Kfz-Betriebs: Sauber ist es, kein Ölfleck nirgends – was nicht nur daran liegt, dass sie erst feierlich eröffnet wurde. Die Fahrzeuge, die hier aufgebockt sind, kommen ohne viel Öl aus. In ihnen stecken Batterien oder Brennstoffzellen. Da müssen Mechaniker ganz anders ran: Dick ummantelte Kabel hängen an den Wänden, mit denen sie die Batterien abklemmen können, um am Fahrzeug arbeiten zu können, ohne Bekanntschaft mit 750 Volt Spannung zu machen.

Der Fußboden ist mit einer dunkelgrauen Matte ausgelegt, die absolut keinen Strom leiten kann. Dazu gibt es Spezialrechner, um Fahrzeugdaten auszulesen und einen Abblaseturm und Schläuche, mit dem die Techniker Gas aus den Wasserstofftanks lassen können.

Bei der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin am Salzufer wurde am Mittwoch dieser erste „Fachbetrieb für Hochvoltfahrzeuge und Brennstoffzellentechnik“ eröffnet, wie es auf der Urkunde der Kraftfahrzeug-Innung Berlin heißt. Mercedes investierte dort einen sechsstelligen Betrag, obwohl der Anteil der Fahrzeuge, die über Berlins Straßen surren, noch im Promillebereich liegt: Das sind zum Beispiel E-Smarts aus dem Daimller-Konzern und E-Minis von BMW, die in Pilotversuchen an wenige Hundert Kunden ausgegeben worden sind. „Doch der Bedarf an Service wird steigen. Und wir können nur Marktführer in der Hauptstadt bleiben, wenn wir immer die berühmte Nasenlänge voraus sind“, sagte Mercedes-Niederlassungsdirektor Walter Müller. Die 14 Mitarbeiter dieser Werkstatt wurden tagelang geschult, um etwa mit den Hochspannungskomponenten umzugehen. Die Stellen seien zusätzlich geschaffen worden, betonte Müller, um deutlich zu machen, dass sein Unternehmen in E-Mobilität ein Zusatzgeschäft erwartet ohne dabei Anteile bei Diesel und Benzinern zu verlieren.

Auch für Dieter Rau, Geschäftsführer der Kfz-Innung, war die Zertifizierungsprozedur dieses Betriebes völlig neu. Die nötigen Formulare und Prüfkriterien mussten eigens entwickelt werden. Die dürften bald gebraucht werden. „Wir führen bereits mit BMW und anderen Gespräche“, sagte er. Kevin P. Hoffmann

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