Wirtschaft : Neue Kandidaten für die Telekom-Spitze

Porsche-Chef Wiedeking wird als Vorstandsvorsitzender gehandelt/Niedrige Gebote für das Fernsehkabel

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Berlin (vis). Die Deutsche Telekom hat noch vier Interessentengruppen für das zum Verkauf stehende Kabelnetz. Dabei liegt die Höhe der Gebote deutlich unter dem, was die Telekom als Erlös im Finanzplan eingestellt hat. Offiziell wollte die Telekom weder die Zahl der Interessenten noch die Höhe der Gebote kommentieren. Es seien verschiedene Angebote eingegangen, die nun geprüft werden müssten, sagte ein Telekom-Sprecher. Bis Ende der Woche will sich die Telekom entscheiden, mit wem sie weiter verhandeln will. Zu Berichten, wonach als Nachfolger für den zurückgetretenen Vorstandschef Ron Sommer nur noch vier Kandidaten im Gespräch seien, lehnte die Telekom eine Stellungnahme ab.

Die „Bild“ hatte gemeldet, als Sommer- Nachfolger seien nur noch T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke und Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick als interne Kandidaten sowie der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel und Porsche–Chef Wendelin Wiedeking im Rennen. Ricke gelte dabei als Favorit. Tatsächlich waren Ricke und Eick schon vor dem Rücktritt Sommers Mitte Juli als mögliche Nachfolger im Gespräch gewesen. „Wir kommentieren den Suchprozess nicht“, sagte der Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dietrich Winkhaus dem Tagesspiegel. „Es kann bis Ende des Jahres dauern, bis wir einen Nachfolger gefunden haben.“ Winkhaus und der Telekom-Interimschef Helmut Sihler suchen gemeinsam einen neuen Vorstandvorsitzenden für die Telekom. Dabei bediene man sich auch Personalberatungsunternehmen, sagte Winkhaus.

Als Kandidaten kämen durchaus branchenfremde Manager in Frage. „Wir suchen den Besten: einen erfolgreichen Manager mit internationaler Erfahrung, durchsetzungsstark und ein Stratege, der auch Konsolidierungsfähigkeiten besitzt“, sagte Winkhaus. Eine Telekom-interne Besetzung wollte Winkhaus aber nicht ausschließen. Mit Porsche-Chef Wiedeking kann die Telekom dagegen nicht rechnen. Ein Porsche-Sprecher sagte, an Spekulationen um eine Kandidatur von Wiedeking sei „absolut nichts dran“. Wiedekings neuer Vertrag laufe noch bis 2007. Auch der ehemalige BDI-Chef Henkel demenierte, dass er der Telekom zur Verfügung stehe.

France Télécom hat offenbar schneller als die Telekom einen Nachfolger für ihren am 12. September zurückgetretenen Konzernchef Michel Bon gefunden. Auf der Verwaltungsratssitzung an diesem Mittwoch soll der 47-jährige Unternehmer und Ingenieur Thierry Breton zum Nachfolger nominiert werden. Dies war aus Pariser Regierungskreisen zu erfahren. Bisher ist Breton Chef des Elektronikkonzerns Thomson Multimedia.

Unterdessen arbeitet die Telekom weiter daran, den Schuldenberg von zuletzt 64 Milliarden Euro abzubauen. Dabei muss sie einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Die Gebote für die sechs verbliebenen Kabelregionen liegen nur noch zwischen knapp zwei und 2,3 Milliarden Euro, hieß es aus Unternehmenskreisen. Finanzchef Eick hatte zuletzt mit einem Verkaufserlös von 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro gerechnet. Das Kabelunternehmen Liberty Media hatte einmal 5,5 Milliarden Euro geboten, der Verkauf wurde jedoch vom Bundeskartellamt untersagt. Von ursprünglich rund einem Dutzend Interessenten sind vier Bietergruppen übrig geblieben. Darunter ist ein Konsortium um Goldman Sachs Capital Partners und eines, an dem erneut Liberty Media beteiligt ist. Nach der Prüfung der Angebote wolle die Telekom mit zwei oder drei Interessenten parallel weiterverhandeln, hieß es aus Unternehmenskreisen. So solle die Gefahr umgangen werden, dass beim Absprung eines Verhandlungspartners wieder von vorn angefangen werden müsse.

Die Börse nahm die Meldungen über die Gebote positiv auf. Die T-Aktie schloss mit einem Plus von 5,82 Prozent auf 8,92 Euro .

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