Wirtschaft : Neue Köpfe für die Wirtschaft

Jüngere Manager an der Spitze der deutschen Unternehmen sollen frischen Wind bringen und die Gesellschaften neu aufstellen

Daniel Rhee-Piening

Zum Teil standen sie jahrelang an der Spitze ihres Unternehmens, prägten es ganz entscheidend und ziehen sich jetzt auf einen Aufsichtsratsstuhl zurück. Zum Teil dienten sie der Gesellschaft nur für kurze Zeit, überwarfen sich mit den Kollegen und mussten – freundlich verabschiedet, wie es sich gehört – gehen.

Die Ausscheidenden haben zum Teil drastische Sparprogramme in den Gesellschaften angeschoben. Nun sind neue Manager an die Spitze der großen deutschen Unternehmen gerückt. Zum Teil sind sie schon Jahre im Unternehmen, haben aber selten den ausgeprägten Stallgeruch. Viele von ihnen sind noch keine 50 Jahre alt. Sie gelten als kommunikativ und innovativ. Sie sollen frischen Wind in die Firmen bringen und die Unternehmen neu aufstellen, neue Kundengruppen erschließen.

Mancher kommt aus der Branche, wechselt aber die Firma. Christine Licci bekam bei der Citibank die Risiken nicht mehr richtig in den Griff, nun erhält sie in München eine neue Chance. Wolfgang Bernhard eckte bei Daimler-Chrysler an und soll nun die Marke Volkswagen voranbringen. Er liegt im Trend, sind es doch gerade die Manager der großen deutschen Automobilhersteller, die in den vergangenen Jahren häufig die Adresse wechselten. Thomas Enders, der ehemalige Militär, und erfolgreiche Sanierer soll künftig die deutsche Position gegenüber den französischen Freunden verteidigen. Und Klaus Kleinschmidt sowie Hakan Samuelsson treten scheinbar in die Fußstapfen ihrer ehemaligen Chefs. Sie werden an ihren Vorgängern gemessen werden und müssen mit Fingerspitzengefühl und Diplomatie vorgehen.

Diplomatie sagt man Thomas Holtrop nicht immer nach. Der Mann scheint eher ruhelos und ehrgeizig, was so gar nicht zu dem angeblich typischen Bild eines Westfalen passt. Er sah keine Möglichkeit, seine Ziele an alter Stelle zu verwirklichen und zog die Konsequenz. Doch Holtrop dürfte nicht lange ohne öffentlichen Auftritt bleiben. Mehr Ruhe wird und will wohl auch Heinrich von Pierer nicht finden. Als oberster Kontrolleur und graue Eminenz des weltweiten Siemens-Konzerns hat er vermutlich sogar noch mehr Zeit, sich in die öffentliche Diskussion einzumischen. Sicherlich nicht immer zur Freude seiner Zuhörer Auch andere werden sich wohl weiter zu Wort melden, seien es nun Jürgen Dormann oder Michael Rogowski.

Lieber unbeachtet von der Öffentlichkeit wird wohl Dieter Berninghaus seine vordringlichen Aufgaben regeln. Gegen den Hoffnungsträger der Rewe-Gruppe ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätte er der Zunft Schaden zugefügt und das Bild des Unternehmers in Deutschland nachhaltig geschädigt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben