Wirtschaft : Neue Kurzlehre soll 10000 Jobs schaffen

Praxisorientierte Ausbildung ermöglicht Abschluss nach zwei Jahren / Gewerkschaften fordern Chance zur Weiterbildung

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Berlin (lan). Die Wirtschaftsverbände haben positiv auf die Ankündigung von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement reagiert, ab Herbst 2004 Ausbildungsberufe mit nur zweijähriger Lehre zuzulassen. Die Unternehmen sehen darin die Möglichkeit, auch in einfachen Berufen Fachkräfte auszubilden. Die Gewerkschaften dagegen sehen die Kurzlehre skeptisch. Sie fürchten, dass die Qualität der Ausbildung sinkt.

Die kürzere Ausbildungszeit soll praktisch begabten Jugendlichen entgegenkommen und das Ausbildungsrisiko der Unternehmen begrenzen, heißt es im Wirtschaftsministerium. Die Lehrzeit bestehender Ausbildungsberufe soll nicht gekürzt werden. Vielmehr sollen neben den bisherigen drei und dreieinhalbjährigen Ausbildungsberufen neue Berufe mit zweijähriger Ausbildung hinzukommen. Dazu zählen Berufsfelder, die zwar in der Praxis existieren, für die es aber keine Ausbildung gibt.

Eine vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie vom Forschungsinstitut Economix listet 33 Berufsfelder auf, die sich für eine praxisorientierte Ausbildung eignen. Dies seien unter anderem der Fahrradmonteur, der Bistrokoch und die Fachkraft für Sonnenstudios. Auch Arbeitgeberverbände und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) haben Berufsvorschläge eingereicht. „Wir haben handfeste Konzepte, die aus dem konkreten Bedarf der Unternehmen entstanden sind“, sagte Dietmar Niedziella, Sprecher beim DIHK. Darunter beispielsweise der Beruf des Servicefahrers und des Maschinenführers. Für diese Berufe bräuchten Unternehmen Fachkräfte, nicht nur angelernte Arbeiter. Eine Ausbildung käme somit den Firmen wie auch den Arbeitnehmern entgegen. Nach Schätzungen des DIHK könnten mit den neuen Ausbildungsberufen bis zu 10000 Jugendliche den Einstieg in die Arbeitswelt schaffen.

Noch wird diskutiert, welchen Berufen eine zweijährige Ausbildung zugesprochen werden soll. Wichtig sei , dass sich die Ausbildungsinhalte konsequent an den betrieblichen Erfordernissen orientieren, erklärte Wirtschaftsminister Clement.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fürchtet, dass die Kurzlehrlinge nach der Ausbildung zu niedrigeren Löhnen als Facharbeiter eingesetzt werden. Eine weitere Gefahr bestehe darin, dass sich die zweijährigen Ausbildungswege als Sackgasse erweisen könnten. „Generelle Kurzausbildungen können keine Patentlösung sein“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock. Auch die neuen Berufe müssten „eine Weiterbildung der jungen Leute ermöglichen“.

Karl Spellberg, Ausbildungsexperte beim Zentralverband des Deutschen Handwerks, sieht in der Weiterbildung kein Problem. „Es muss einfach eine Stufenausbildung geben.“ So könnte beispielsweise nach zwei Jahren die Ausbildung zum Änderungsschneider abgeschlossen werden. Danach sei es möglich, in einem weiteren Jahr den Abschluss zum Damen- oder Herrenschneider zu machen.

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