Wirtschaft : Neue Modelle für Arbeitslosengeld

BERLIN (bü). Es gibt derzeit beinahe tägliches Neues für Arbeitslose und solche, die es (nicht) werden (wollen). Die aktuellste Äußerung stammt von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller. Sein Reformvorschlag: Um die Lohnnebenkosten zu senken, sollen die Arbeitgeber ihren Anteil an den Arbeitslosenversicherungsbeiträgen (3,25 Prozent) sparen. Stattdessen sollen sie einem ausscheidenden Mitarbeiter für eine gewisse Zeit Lohn oder Gehalt weiterzahlen. Der von den Arbeitnehmern unverändert zu entrichtende Beitrag würde dann für die anschließend vom Arbeitsamt zu zahlenden Leistungen eingesetzt.Dies ist Zukunftsmusik, von der niemand weiß, ob sie je erklingen wird. Zukunftsträchtig erschien einigen Versicherungsgesellschaften auch das Angebot, sich für den Fall der Arbeitslosigkeit zusätzlich privat abzusichern. Die Volksfürsorge ist vor Jahren damit gestartet und hat seither auch einige Nachahmer gefunden. Sämtlich wurden die Versicherungen aber keine Renner. Und das hat verschiedene Gründe, etwa die Einschränkungen in den Versicherungsbedingungen oder der potentiell zwar große, letztlich aber doch überschaubare Kreis derer, die sich für eine solche Versicherung interessieren könnten. Und schließlich: der Preis. Ein Beispiel: Es muß seit mindestens drei Jahren ein unbefristetes und auch ungekündigtes Vollzeitarbeitsverhältnis bestehen. Nur wer also "fest im Sattel" sitzt, darf sich zusatzversichern. Mindestens muß das 22., höchstens darf das 50. Lebensjahr vollendet sein. Außerdem kann ausschließlich der Hauptverdiener einer Familie eine Police erwerben.Die Leistungen: Wenigstens zwei Jahre lang müssen Beiträge in die Versicherung eingezahlt worden sein. Arbeitslosigkeit innerhalb der ersten 24 Monate nach Vertragsschluß bringt also nichts in die Kasse. Die Differenz zwischen dem Arbeitslosengeld (maximal 67 Prozent vom Nettogehalt) und 90 Prozent, die privat versichert sind, gibt es maximal für ein Jahr. Hintergrund: Bei Eintritt der Arbeitslosigkeit bis zum 42. Geburtstag zahlt das Arbeitsamt ebenfalls nur bis zu einem Jahr. Die nachfolgende Arbeitslosenhilfe würde, falls aus der Zusatzversicherung noch Geld fließen würde, gekürzt. Bei einer längeren Bezugsdauer (die ja zusätzliches Beitragsgeld kosten müßte) würde man sich also ins eigene Fleisch schneiden. Ist für ein Jahr die Zusatzleistung gezahlt worden, so beginnt eine neue Wartezeit, die das Dreifache des Leistungszeitraumes beträgt. Sechs Monate Arbeitslosigkeit mit Arbeitslosen- und Zusatzarbeitslosengeld ergeben eine erneute 18monatige Wartezeit.

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