Wirtschaft : Neue Ordnung, alte Krise

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Von Henrik Mortsiefer

Im Musikgeschäft werden die Konturen einer neuen Marktordnung sichtbar. Nach Monaten der Spekulation zeigt sich, wer mit wem hinter den Kulissen ins Geschäft gekommen ist: Time Warner verkauft seinen Musikverlag an den Medienunternehmer Bronfman; Bertelsmann und Sony legen ihre Musiksparten zusammen. Das Big Business wird noch größer. Drei Viertel der weltweiten Umsätze im Musikgeschäft werden in Zukunft nur noch unter vier Konzerngruppen aufgeteilt. Doch Größe allein wird die Krise der Branche nicht beenden. Seit sieben Jahren sinken die Erlöse der Plattenfirmen, weil sich OnlineTauschbörsen und CD-Brennerei epidemisch ausgebreitet haben und das Kerngeschäft der Labels ruinieren. Während alle vom Aufschwung reden, erwartet die Musikindustrie auch 2004 einen Umsatzeinbruch. Kosten werden gesenkt, Repertoires verkleinert. Geholfen hat es wenig. Solange die Konzerne den Musik-Piraten kein attraktives kommerzielles Angebot im elektronischen Vertrieb entgegensetzen, wird sich ihr Geschäft nicht erholen. Dass die lange angekündigte gemeinsame Internet-Plattform immer noch nicht läuft, ist ein Armutszeugnis für die an Showeffekten so reiche Branche.

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