Neue Präsidenten für die Wirtschaftsverbände : Generationenwechsel

Die wichtigsten Wirtschaftsverbände bekommen neue Präsidenten: In diesem Jahr der DIHK, der BDI und Gesamtmetall, im nächsten Jahr die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände.

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Wer bleibt noch wie lange? Industriepräsident Hans-Peter Keitel und DIHK–Chef Hans Heinrich Driftmann gehen in diesem Herbst, Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt (von links) spätestens im November 2013. Bis dahin weiß auch Angela Merkel, ob ihre Amtszeit abgelaufen ist: Im Herbst 2013 wird gewählt.
Wer bleibt noch wie lange? Industriepräsident Hans-Peter Keitel und DIHK–Chef Hans Heinrich Driftmann gehen in diesem Herbst,...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Dieter Hundt wird vermutlich noch Helmut Kohl überholen. 16 Jahre regierte Kohl, seit bald 16 Jahren repräsentiert Hundt die deutschen Arbeitgeber. Aber das Ende ist in Sicht. Spätestens im November 2013 tritt der Arbeitgeberpräsident, kurz nach seinem 75. Geburtstag, von der politischen Bühne. Im Einvernehmen mit seinen Vizepräsidenten Martin Kannegiesser (Gesamtmetall) und Eggert Voscherau (Bundesarbeitgeberverband Chemie), will Hundt einen Nachfolger suchen. Und den findet er, wie es in der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) üblich ist, im Kreis des 50-köpfigen Präsidiums. Favorit ist Arndt Günter Kirchhoff, 57 Jahre alt und Geschäftsführender Gesellschafter der Kirchhoff-Gruppe, ein Autozulieferer aus dem südwestfälischen Iserlohn.

Mit Hundt endet eine Ära. Es gibt einen Führungs- und bisweilen Generationenwechsel bei fast allen wichtigen Wirtschaftsverbänden. Am weitesten damit ist der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): Hans-Peter Keitel tritt nicht wieder an, als Nachfolger hat er den Duisburger Unternehmer Ulrich Grillo vorgeschlagen. Auf den Konzernmanager, Keitel war Vorstandsvorsitzender von Hochtief, folgt ein Mittelständler aus dem Ruhrgebiet. Dieser Unternehmertyp wird in Verbänden und der Politik geschätzt: Sie sind unabhängig, wissen zumeist, wovon sie reden, und nehmen selten ein Blatt vor den Mund. Grillo ist 52 Jahre alt und als Vorsitzender des Rohstoffausschusses im BDI durchaus mit den Verbandsgepflogenheiten und der politischen Lobbyarbeit in der Hauptstadt vertraut.

Für Rainer Dulger, mit 48 Jahren der Jüngste in der nächsten Generation der Arbeitgeberfürsten, gilt das nicht. Der Heidelberger Unternehmer steigt in die größten Schuhe – er wird Nachfolger von Martin Kannegiesser, der den Arbeitgeberverband Gesamtmetall zwölf Jahre als Präsident führte. Unter dem inzwischen 70-jährigen Kannegiesser, dem im westfälischen Vlotho ein Unternehmen für Wasch- und Bügelmaschinen gehört, wandelte sich das Verhältnis der Sozialpartner. Der Unternehmer und Funktionär Kannegiesser ist ein Anhänger des gebändigten Kapitalismus, ein Verteidiger des deutschen Arbeits-, Betriebsverfassungs- und Tarifrechts. Die Spielpartner von der anderen Seite, Kannegiesser hatte es insgesamt mit drei verschiedenen IG-Metall-Vorsitzenden zu tun, haben den vermeintlichen Klassenfeind aus Vlotho für seine Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit geschätzt. Gemeinsam wurde der Flächentarif modernisiert und für betriebliche Belange geöffnet.

Der junge Dulger wird seine eigene Rolle finden müssen – auch im Zusammenspiel mit dem nächsten IG-Metall-Vorsitzenden, denn Berthold Huber (62) tritt vermutlich im Herbst 2013 ab. Dulger engagiert sich seit einigen Jahren im baden- württembergischen Metallverband, doch die erste echte Bewährung stand in diesem Frühjahr an, als er erstmals die Verhandlungskommission der Arbeitgeber führte. Ein schwerer Job, denn die Arbeitgeber brauchten lange, um der Forderung der IG Metall nach mehr Mitbestimmung bei der Übernahme von Azubis und beim Einsatz von Leiharbeitern entgegenzukommen. Nach nächtelangem Ringen gab es auch diesmal einen Kompromiss und keinen Arbeitskampf. Ein Verdienst Dulgers? „Er hat ordentlich mitgemacht“, sagt ein Mitstreiter.

Noch nicht entschieden ist die Nachfolge von Hans Heinrich Driftmann als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dem Dachverband der IHKs. Mit dem Berliner Eric Schweitzer wurde kürzlich der Präsident der größten IHK gehandelt, aber womöglich nur, um ihn zu verhindern. Mit 47 Jahren gilt Schweitzer als zu jung für die Spitze eines von älteren Herrn dominierten Verbandes.

Eine Präsidentin ist übrigens auch nicht in Sicht: Haupt- und Ehrenamt der Spitzenverbände sind konstant in Männerhand. Eine Ausnahme war Gesamtmetall, wo Gabriele Sons zweieinhalb Jahre die Geschäfte führte. Sie wechselt jetzt zu Thyssen-Krupp.

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