Wirtschaft : Neue Preislimits für Arzneimittel Ärzte haben Zweifel an Sparzielen der Regierung

Maren Peters

Berlin - Das Bundesgesundheitsministerium hat Preisobergrenzen für bestimmte patentgeschützte Arzneimittel am Freitag zugestimmt – und sich damit über die massiven Einwände der Arzneimittelindustrie hinweggesetzt. Nach Angaben des Ministeriums sollen diese so genannten Festbeträge – das sind Höchstpreise, die die Kassen den Herstellern erstatten – von 2005 an jährliche Einsparungen von 350 Millionen Euro bringen. Bis Jahresende sollen für weitere Medikamente Festbeträge festgelegt werden. Insgesamt erhofft sich die Bundesregierung dadurch von 2005 an Einsparungen von einer Milliarde Euro pro Jahr, wie Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Freitag bestätigte. Doch die Kassenärzte bezweifeln, dass das funktioniert.

Bisher konnten Arzneimittelhersteller die Preise für patentgeschützte Medikamente selbst bestimmen. Durch die Gesundheitsreform sind vom kommenden Jahr an Höchstpreise für „ Scheininnovationen“ zulässig. Das sind neue Medikamente, die teuer sind, aber keinen therapeutischen Zusatznutzen gegenüber älteren Produkten haben. Die Festbetragsgruppen werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss aus Kassen und Ärzten festgelegt und müssen vom Gesundheitsministerium genehmigt werden.

Bisher hat der Bundesausschuss nur für vier Arzneimittel-Gruppen Festbeträge festgelegt, darunter die umsatzstarken Cholesterinsenker und Protonenpumpenhemmer gegen Magenbeschwerden. Bis Jahresende sollen weitere Gruppen folgen. Doch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürchtet, dass es zu Verzögerungen kommt – und deshalb 2005 nur die Hälfte der geplanten Milliarde Euro eingespart werden kann. „500 Millionen Euro sind im Laufe des Jahres realistisch darstellbar“, sagte KBV-Vize Leonhard Hansen dem Tagesspiegel. Im Abstimmungsprozess seien insbesondere durch Einwände der Industrie Verzögerungen zu erwarten. „Für das Sparziel wäre das eine Katastrophe“, warnte er. Denn bereits Anfang 2005 werde der Zwangsrabatt, den die Pharmaindustrie den Kassen gewähren muss, von 16 auf sechs Prozent reduziert. „Das wird von der Festbeträgen nicht kompensiert.“ Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) hat bereits Widerstand angekündigt. „Wir werden kämpfen“, sagte ein Sprecher.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben