Neue Projekte : Grundstein auf Grundstein

Neue Projekte in Berlin: BSH baut ein Forschungszentrum, Audi ein Autohaus. Das schafft Arbeitsplätze.

C. Brönstrup, H. Mortsiefer, M. Schröder

BerlinSeit fast 60 Jahren werden in Berlin Waschmaschinen gebaut – damit soll in gut einem Jahr Schluss sein. Die Fertigung in Gartenfeld rechnet sich nicht mehr, im Ausland sind die Kosten geringer. Zurückziehen will sich der Hersteller Bosch und Siemens Hausgeräte (BSH) aus der Hauptstadt aber nicht: Am Donnerstag legte das Unternehmen den Grundstein für ein Technologiezentrum, in dem es neue Wäschepflegegeräte entwickeln und testen will. Als „Investition in Richtung Zukunft“ pries BSH-Geschäftsführer Winfried Seitz das neue Haus in Siemensstadt, das 50 Millionen Euro kostet – BSH ist allerdings nur Mieter. 550 Entwickler, Tester und Verwaltungskräfte werden im Sommer 2011 dort einziehen. Mit den Jahren will BSH expandieren – das neue Haus bietet Platz für bis zu 750 Beschäftigte, innerhalb der kommenden fünf Jahre sollen sie kommen. Das Unternehmen will zudem den Kontakt zu den Berliner Universitäten ausbauen und sich deren Wissen zunutze machen. Weltweit beschäftigt BSH 39 000 Menschen.

„Berlin ist als Standort für Unternehmensansiedlungen nach wie vor gefragt“, sagt René Gurka, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner. Trotz der Krise habe man im vergangenen Jahr 77 Ansiedlungsprojekte vereinbaren können, mit einer Gesamtinvestitionssumme von 139 Millionen Euro. Ein Großteil der Projekte stammt aus der Kreativbranche oder aus dem Dienstleistungsbereich, wie das US-Unternehmen Vistaprint, das im Mai ein neues Marketing Service Center am Salzufer in Charlottenburg eröffnete. Der Anbieter für Grafikdesign und Druckprodukte lässt von Berlin aus Kunden in Deutschland, den Niederlanden sowie in Osteuropa betreuen. Schon jetzt beschäftigt Vistaprint mehr als 50 Mitarbeiter in Berlin, will aber noch wachsen.

Dass auch die traditionelle Wirtschaft Chancen in Berlin sieht, zeigt das Beispiel Audi. Der Autokonzern baut im Süden Berlins – in der Nachbarschaft zum neuen Großflughafen – ein neues Autohaus . Am Donnerstag fand im Gewerbegebiet Adlershof der erste Spatenstich auf dem 20 000 Quadratmeter großen Gelände statt. „Wir investieren hier rund 32 Millionen Euro“, sagte Jörg Hofmann, Geschäftsführer der Audi Retail GmbH. Das Berliner Haus, dessen Markenzeichen ein 31 Meter hoher Turm sein wird, ist Teil einer groß angelegten Vertriebsoffensive der Volkswagen-Tochter. Bis 2012 plant das Unternehmen weltweit 350 „Audi Terminals“. Das neue Berliner Haus, das unmittelbar an der Autobahn A113 liegt, soll Anfang 2012 eröffnet werden. Audi will in Adlershof 60 neue Arbeitsplätze schaffen und im ersten Jahr rund 60 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. 600 Neuwagen und 1500 Gebrauchte sollen 2012 verkauft werden. Die Premiummarke hat große Pläne. „Wir wollen das Volumen in Berlin verdoppeln“, sagte Markus Siebrecht, Gesamtvertriebsleiter in der Region Ost. Aktuell erzielt das Unternehmen in Berlin mit 188 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 105 Millionen Euro, 2009 wurden 2050 Neuwagen und 1500 Gebrauchte verkauft. Das neue Autohaus wird die bestehenden Standorte in Charlottenburg, Tempelhof, Lichtenberg und Spandau ergänzen.

Und auch die Industrie hat Berlin nicht abgeschrieben. So legte die Unternehmensgruppe Freudenberg aus Baden-Württemberg im Mai den Grundstein für einen neuen Produktionsstandort. Die Herstellung von Spezialdichtungsprodukten wurde von Kreuzberg nach Adlershof verlegt, 200 Arbeitsplätze bleiben in der Region.

Arno Hager, Berlins IG-Metall-Chef, sieht keine Anzeichen für eine weitere Deindustrialisierung Berlins, auch wenn BSH die Waschmaschinenproduktion einstellt. „Das gilt nur für diese Art standardisierter Massenfertigung in dieser Branche“, sagt er. In anderen Bereichen, etwa der Siemens-Energiesparte, spielten spezielle Kenntnisse eine besondere Rolle, viele der Maschinen seien Spezialanfertigungen. „Das hat Zukunft“, prognostiziert Hager. Der Abbau der 230 Arbeitsplätze im bisherigen Werk sei „vernünftig geregelt“, sagte Hager. Für die Betroffenen gibt es Abfindungen, andere Arbeitsplätze oder Ruhestandsregelungen.

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