Wirtschaft : Neue Regeln

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A ls das neue Jahr gefeiert wurde, gab es auch es für die Textilindustrie etwas zu feiern, denn der Jahresbeginn markiert die Aufhebung des globalen Systems der Textilquoten. Zwar besteht die Sorge, China könnte der ganze große Gewinner der Liberalisierung werden. Doch werden dabei die vielen anderen Gewinner übersehen, nicht zuletzt die amerikanischen und europäischen Verbraucher.

Nach dem Abkommen von 1973 konnten entwickelte Märkte in Europa und den USA Textilimporte aus weniger entwickelten Ländern beschränken. Die Hauptopfer des bisherigen Quotensystems waren die Armen der Welt, denen die Möglichkeit verwehrt war, die Textilindustrie als den ersten Schritt auf dem Weg zur Industrialisierung zu nutzen. Die Einkommensgewinne für Entwicklungsländer werden nach einer Berechnung der Handels und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen auf 24 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt. Nun erwägen die USA Schutzzölle, und auch die europäische Textillobby forderte kürzlich EU-Quoten. Dabei sind die Ängste vor einer Import-Schwemme aus China weit überzogen. Die Importeure werden kaum alles auf eine Karte zu setzen. Und auch die Befürchtung, kleinere Produktionsländer wie Vietnam und Kambodscha könnten ihren Export massiv erhöhen, ist übertrieben. Vielmehr beginnen auch diese Länder zu begreifen, dass es langfristig sinnvoller ist, andere wirtschaftliche Bereiche auszubauen. Gewinner werden letztlich die Länder sein, denen es gelingt, ihre Wirtschaft an den neuen globalen Wettbewerb anzupassen. Das bedeutet, in Infrastruktur zu investieren, Korruption und Bürokratie einzudämmen. Wie könnte das schlecht sein für die Entwicklungsländer?

Ein freier Markt für Textilien wird den Verbrauchern günstigere Preise bescheren und mehr Arbeitern in den Entwicklungsländern eine Chance bieten, aus der Armut in die Mittelklasse aufzusteigen. Grund genug zu feiern.

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