Neue Riesenbatterie : Altmaier lobt Vattenfall über den grünen Klee

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hat den feierlichen Anschluss einer Großbatterie genutzt, um den Vattenfall-Konzern zu feiern. Er holte weit aus: Von der Steinzeit, über Omas Backpflaumen bis zum Nokia-Handyklotz. Das ging den Energiemanagern runter wie Öl.

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Umweltminister Peter Altmaier (CDU) mit Vattenfalls Deutschlandchef Tuomo Hatakka.
Umweltminister Peter Altmaier (CDU) mit Vattenfalls Deutschlandchef Tuomo Hatakka.Foto: dpa

Berlin - Peter Altmaier (CDU) ist sich offenbar bewusst, dass ein Umweltminister ohne die Wirtschaft nicht weit kommt. Jeder Satz, den er am Mittwochvormittag bei seinen Gastgebern vom Energiekonzern Vattenfall sprach, ging diesen runter wie Öl: „Vattenfall hat heute die Innovationsführerschaft übernommen“, erklärte Altmaier bei einer Feierstunde in einer Halle des Versorgers in Berlin-Treptow. Anlass war die Inbetriebnahme des „größten Stromspeichers dieser Art“ in Deutschland, man könnte auch sagen: Berlins größter Batterie. „Das ist ein kleiner Schritt für ein Unternehmen, aber ein großer für die Energiewende“, jubelte Altmaier, als habe er den Mond betreten. Und die Energiewende wiederum sei ja das größte Projekt seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg und der Wiedervereinigung.

Dort, fast auf dem Gipfel der Rhetorik angekommen, nutzte er die Gelegenheit, um ein paar Gemeinheiten gegen den tatsächlichen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) fallen zu lassen – ohne diesen zu nennen. So dürfe Deutschland bei der Energiewende nicht, wie im Sektor der Unterhaltungselektronik in den 1960er und 70er Jahren, die Basisinnovationen leisten, das Geschäft damit aber Firmen im Silicon Valley (wo Rösler am Montag weilte) überlassen.

Das Speichern, sagte Altmaier wieder mit Blick auf Vattenfalls Superbatterie, sei ja die Lieblingsbeschäftigung der Menschen seit der Mittelsteinzeit (um 9600 v. Chr.). Damals habe man erstmals Lebensmittel konserviert. So spannte der Minister den Bogen weiter, über die eingelegten Backpflaumen seiner Oma in den 60ern bis 1991, als der damals junge EU-Beamte in Lappland erstmals ein klobiges Handy des dortigen Herstellers Nokia in der Hand hielt. Da musste Vattenfall-Deutschlandchef Tuomo Hatakka, ein Finne, gleich noch mal lächeln.

Gemessen an den Ausführungen des Saarländers blieb Hatakkas Rede nordisch kühl. Die Batterie sei ein „wichtiger Schritt“, sagte der Konzernchef. Er hoffe, dass man bald eine noch größere Batterie in Vattenfalls „virtuelles Kraftwerk“ einbinden kann, mit dem der Konzern den Verbrauch von 150 000 Wohneinheiten koordiniert. Der Speicher, groß wie ein Einfamilienhaus, kostete 2,2 Millionen Euro, hat eine Kapazität von knapp 2,6 Megawattstunden und eine Leistung von zwei Megawatt. Er dient dazu, kurzfristig Strom aufzunehmen und abzugeben, wenn zu viel Windstrom das Netz belastet. Rechnerisch könnte man damit gut 400 Wohnungen zwölf Stunden lang versorgen. Kevin P. Hoffmann

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