Wirtschaft : Neue Risiken bei der Bankgesellschaft aufgetaucht Gewagte Bilanzmanöver entdeckt

Noch kein Angebot der NordLB

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Berlin (fmd/HB). Bei der Bilanzanalyse der Bankgesellschaft Berlin sind Positionen entdeckt worden, die das Eigenkapital kräftig unter die ausgewiesene Größe von 4,5 Milliarden Euro drücken müssten. Dies verlautete aus Kreisen, die mit dem Bankverkauf beschäftigt sind. Zudem reiche die Abschirmung von Risiken aus dem Immobiliendienstleistungsgeschäft durch Staatsgarantien in Höhe von 21,6 Milliarden Euro nicht aus. „Weitere Absicherungen sind angesichts der Risikolage absolut notwendig“, heißt es in den Kreisen. Unklar sei jedoch, ob alle Bieter den gleichen Kenntnisstand hätten. Es könnte zu Verzerrungen kommen, wenn kritische Positionen bei Offerten für das mehrheitlich in Landesbesitz befindliche Institut unterschiedlich berücksichtigt würden. Die Angebotsfrist endet am 14. August.

Nach Prüfung der Offerten will Finanzsenator Thilo Sarrazin einen Bieter auswählen. Noch im Rennen sind das Sparkassenlager zusammen mit der NordLB, das Konsortium von Christoph Flowers und Texas Pacific Group, der Investor W. L. Ross und die Fondsgesellschaft Lone Star. Die NordLB hat vorerst noch kein abschließendes Kaufangebot abgegeben. Der Aufsichtsrat habe sich am Mittwoch für eine „indikative Interessenbekundung“ entschieden, hieß es im Anschluß an die Aufsichtsratssitzung. Es gebe weitere offene Fragen zu den Risiken einer Übernahme. Daher könne die NordLB nur ein unverbindliches Angebot abgeben. Einzelheiten müssten in den nächsten Tagen noch abgestimmt werden.

Die an dem Verkauf beteiligten Kreise sind bei der Bilanz der Bankgesellschaft auf ungewöhnliche Praktiken gestoßen. So taucht unter sonstigen Vermögensgegenständen ein Betrag von 767 Millionen Euro auf. Der resultiert aus dem Jahr 1998, als die Bank vom Land die restlichen Gewinnansprüche an der Landesbank Berlin von rund 25 Prozent für 767 Millionen Euro erwarb. Dass die Summe in der Bilanz noch als Vermögenswert gebucht wird, sei „wirtschaftlich äußerst gewagt und erinnert an jüngste Bilanzskandale“, heißt es in den Kreisen. Die Praxis werde sich für einen Käufer drastisch auswirken: „Am Tag des Verkaufs werden dem Erwerber sofort 767 Millionen Euro in der Bilanz fehlen“, verlautete aus den Kreisen.

Für Kopfzerbrechen sorge zudem die Position Aktien und andere Wertpapiere, die ein Volumen von 4,9 Milliarden Euro Ende 2001 ausweist. Angesichts der schlechten Verfassung der Aktienmärkte wird erwartet, dass der wahre Wert weit niedriger ist. Zudem räumt die Verwaltung ein, Finanzanlagen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro nicht nach dem Niederstwertprinzip bewertet zu haben. Allerdings dürfte die dahinter stehende Annahme einer nur vorübergehenden Wertminderung mittlerweile obsolet sein. „Wir haben da ein Loch in der Bilanz“, lautet die Erkenntnis. Dass angesichts weiterer Beihilfen der Verkauf der Bankgesellschaft grundsätzlich in Frage gestellt wird, glauben die Kreise nicht. Sie weisen darauf hin, dass die EU die Genehmigung der Beihilfen von einer Privatisierung abhängig machen werde.

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