Wirtschaft : Neue Runde im Frankfurter Höhenstreit

ROLF OBERTREIS

Die Fronten verhärten sich / Industrie- und Handelskammer gibt Dresdner Bank RückendeckungVON ROLF OBERTREIS

FRANKFURT (MAIN).Der Streit um die Höhe eines neuen Bankturmes der Dresdner Bank schwelt weiter, ein Ende ist nicht in Sicht.Im Gegenteil: Die Fronten verhärten sich und die Angelegenheit entwickelt sich mehr und mehr zu einem Politikum, bei dem der sozialdemokratische Planungsdezernent Martin Wentz offenbar schlechte Karten hat.Zur Erinnerung: Die Bank will mindestens 160 Meter hoch bauen, Wentz will nur 120 Meter zulassen. Am Mittwoch meldete sich erstmals offiziell die Dresdner Bank und das zuständige Vorstandsmitglied Joachim von Harbou zu Wort.Allerdings nicht in den Räumen der Bank, sondern in der Industrie- und Handelskammer.Dort stärkte IHK-Präsident Frank Niethammer dem Geldhaus den Rücken.Er verwies auf die Bedeutung der 550 Banken in Frankfurt, die vielen Tausend Arbeitsplätze, auf die Konkurrenz mit anderen Finanzplätzen wie London, Amsterdam und Paris.Schleppende Planungsverfahren gingen als negatives Signal um die Welt."Die Dresdner Bank ist ebenso wie die Fachgutachter überzeugt, daß ein schlankeres und höheres Hochhaus auch den Umwelt- und Klimagesichtspunkten eher förderlich ist, als ein massiges und kleineres Gebäude", ergänzte die Bank. Auch von Frankfurter Bürgern läßt sich die Dresdner Bank im "Höhen"-Streit den Rücken stärken.66 Prozent von 584 befragten Frankfurtern haben laut einer Meinungsumfrage nichts gegen den neuen Wolkenkratzer.Dem Planungsdezernenten selbst, der einem geplanten Treffen mit dem Banker und der Frankfurter Oberbürgermeisterin in der vergangenen Woche ferngeblieben war, warf von Harbou vor, frühere Zusagen zurückgezogen zu haben.Und stellte erneut die Frage, ob man es lieber sähe, wenn die geplanten 1600 Arbeitsplätze nicht in Frankfurt, sondern "in London entstünden". Wentz selbst hatte sich schon letzte Woche gegen solche "Erpressungsversuche" verwahrt und bekräftigt, der neue Turm dürfe nicht höher als 120 Meter werden.Mittlerweile freilich muß er sich auf einen harten Clinch mit CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth einstellen.Die läßt den langgedienten SPD-Politiker wie einen kleinen Jungen aussehen, wirft ihm "Verstocktheit" und eine "ideologisch behaftete" Einstellung vor.Selbst die SPD-Fraktion scheint sich nicht mehr einig zu sein.Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende jedenfalls will von einer Höhenvorgabe für den Bau nichts mehr wissen.

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