Wirtschaft : Neue Runde im Zechensterben

Bergwerke an Ruhr und Saar werden geschlossen / 28 000 Stellen weniger bis 2002 ESSEN/SAARBRÜCKEN (dpa).Im deutschen Steinkohlenbergbau sollen bis zum Jahr 2002 drei Bergwerke stillgelegt und vier Schachtanlagen zu Verbundbergwerken zusammengefaßt werden.Rund 24 000 Arbeitsplätze sollen dabei in einem ersten Schritt bis zum Jahr 2002 gestrichen werden, kündigte Ruhrkohle-Chef Gerhard Neipp am Montag in Essen an.Durch die kohlepolitischen Beschlüsse vom Frühjahr dieses Jahres war der Abbau von insgesamt 48 000 der zum Jahresbeginn noch 84 000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2005 notwendig geworden.Über die jetzt vorgelegten Pläne hinaus soll im Jahr 2000 über die Schließung von "ein bis zwei weiteren Anlagen voraussichtlich in Nordrhein-Westfalen" bis 2005 entschieden werden, kündigte Neipp an. "Die Entscheidung ermöglicht einen sozialverträglichen Personalabbau unter Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen", sagte der RAG-Vorstandsvorsitzende.Gleichzeitig sei der Zugriff auf die wichtigsten Lagerstätten des Bergbaus auch künftig gesichert.Die Gründung der Deutschen Steinkohle AG durch den Zusammenschluß der Ruhrkohle und der Saarbergwerke kündigte Neipp für Beginn kommenden Jahres an.Eine Abweichung von denen den Plänen zugrunde gelegten betriebswirtschaftlichen Kriterien hätte weitere Arbeitsplätze gefährdet, sagte der Ruhrkohle-Chef. Bis zum Jahr 2005 sollen die Kohlehilfen von 8,9 Mrd.DM in diesem Jahr auf 5,5 Mrd.DM drastisch zusammengestrichen werden.Insgesamt werden zwischen 1997 und dem Jahr 2005 rund 69 Mrd.DM überwiegend aus Bundesmitteln als Finanzierungshilfen für die deutsche Steinkohle überwiesen.Neben dem Bergwerk Göttelborn/Reden an der Saar soll nach den nun vorgelegten Planungen bis zum Jahr 2000 auch die Zeche Westfalen in Ahlen stillgelegt werden.Zwei Jahre später soll die erst im Sommer dieses Jahres zu einem neuen Verbundbergwerk zusammengelegte Zeche Ewald/Hugo in Herten endgültig geschlossen werden.Die Zechen Fürst Leopold/Wulfen in Dorsten und Westerholt in Gelsenkirchen sowie die Schachtanlagen Haus Aden/Monopol in Bergkamen und Heinrich Robert sollen bereits im Frühjahr 1998 zu neuen Verbundbergwerken zusammengelegt werden.Daneben sollen die Zentralwerkstätten König Ludwig in Recklinghausen und Matthias Stinnes in Gladbeck ihren Betrieb einstellen. Die IG Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) fordert nun eine schnelle Rechtssicherheit für die zugesagten Kohlehilfen bis zum Jahr 2005.Alle Entscheidungen müßten unter diesem Vorbehalt stehen, sagten der IGBCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt und sein Stellvertreter Klaus Südhofer.Die vorgelegten Planungen erfüllten die von der Gewerkschaft als unverzichtbar bezeichnete Voraussetzung eines sozialverträglichen Abbaus.Die Folgen der geplanten Kapazitätsschnitte gingen jedoch weit über den Bergbau hinaus. In ersten Stellungnahmen reagierten die Betriebsräte der betroffenen Zechen überwiegend gelassen auf die Pläne der RAG, da sie nicht überraschend gekommen seien.Der Betriebsratsvorsitzende des saarländischen Bergwerks Göttelborn/Reden, Alois Thull, erklärte im "Saarländischen Rundfunk", kein Mitarbeiter solle entlassen werden.Ein Teil werde in die zwei noch an der Saar verbleibenden Bergwerke Ensdorf und Warndt-Luisenthal versetzt.Außerdem würden Beschäftigte in andere Berufe umgeschult.Laut Thull kommen auf die Bergleute an der Saar auch Lohneinbußen in Form von mehr Freischichten zu.

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