Wirtschaft : Neue Runde zum Welthandel

WTO-Chef hält Krise für überwindbar

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Genf / Berlin - Nach den gescheiterten Verhandlungen über eine Liberalisierung des Welthandels bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf hat Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zu neuen Gesprächen aufgerufen. „Die Doha-Welthandelsrunde darf nicht scheitern“, erklärte sie am Montag in Berlin. Die Menschen in Entwicklungsländern bräuchten für ihre Produkte einen besseren Zugang zu den Märkten der Industrie- und Schwellenländer.

Auch der Bundesverband der Industrie (BDI) äußerte sich enttäuscht; die Wirtschaft verliere zunehmend die Geduld. Zur Lösung des Problems müssten Brasilien und Indien ihre Industriezölle senken, die USA dem Abbau ihrer Agrarsubventionen zustimmen und die EU müsse „ihr Angebot zur Senkung der Agrarzölle weiter verbessern,“ heißt es in einer BDI-Stellungnahme.

Ein WTO-Krisentreffen von rund 60 Ministern war am Wochenende in Genf am Streit um die weitere Öffnung der Agrarmärkte – vor allem um die Agrarhilfen der reichen Länder – gescheitert. Die 2001 gestartete Welthandelsrunde, die schon 2004 abgeschlossen sein sollte, droht nun ergebnislos zu versanden.

EU-Handelskommissar Peter Mandelson hat den USA die Schuld am vorläufigen Scheitern der Verhandlungen gegeben. Viele Länder, besonders aber die USA, hätten keine Kompromissbereitschaft gezeigt. Das bisherige Angebot Washingtons zur Senkung der Subventionen für amerikanische Farmer sei völlig unzureichend, sagte Mandelson dem „Handelsblatt“. Es laufe darauf hinaus, dass die US-Agrarbeihilfen verglichen mit dem Jahr 2000 sogar steigen würden.

WTO-Chef Pascal Lamy glaubt noch an den Erfolg der Verhandlungen: „Die Wahrnehmung ist, dass es machbar ist“, sagte er. Die WTO-Mitglieder haben Lamy beauftragt, in den nächsten Wochen eine Lösung zu finden. Tsp/jdh/HB

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