Wirtschaft : Neue Spekulationen um Murdoch-Kirch

MÜNCHEN (rtr).Die Spekulationen über eine Partnerschaft der Medienunternehmer Leo Kirch und Rupert Murdoch haben neue Nahrung erhalten.Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Donnerstag, der Chef des Medienkonzerns News Corp.wolle sich an Kirchs Aktivitäten bei den TV-Sendern SAT 1 und DSF beteiligen.Die Kirch-Gruppe wollte nicht Stellung nehmen.Finanz- und Medienexperten erklärten, eine Zusammenarbeit beider Unternehmer am deutschen Markt sei möglich und sinnvoll.

Die Zeitung berichtete, die Verhandlungen zwischen Murdoch und Kirch seien sehr konkret und befänden sich in der Endphase.Murdoch solle zunächst bei einer Tochterfirma Kirchs einsteigen, in der die Aktivitäten bei den Sendern SAT 1 und DSF gebündelt seien.Murdochs Anteil solle im zweistelligen Prozent-Bereich liegen, aber unter 50 Prozent bleiben.Der Kaufpreis werde auf über eine Mrd.DM beziffert, heißt es in dem Bericht weiter.

In Bank- und Medienkreisen hieß es, eine Zusammenarbeit zwischen Murdoch und Kirch sei möglich."Ich halte das für realistisch", erklärte der auf Medien spezialisierte Kölner Unternehmensberater Lutz Hachmeister.Zum einen habe es ständig Verhandlungen gegeben.Zum anderen brauche Kirch dringend Geld.In Analystenkreisen hieß es, daß Murdoch auf den deutschen Markt wolle, sei kein Geheimnis.Aus Londoner Bankenkreisen verlautete, eine Zusammenarbeit mache Sinn.

Murdoch ist auf dem deutschen Markt mit 49,9 Prozent am Kölner Privatsender Vox beteiligt.Bei einem Deutschland-Besuch Mitte Juni hatte er angekündigt, dieses Engagement kräftig ausbauen zu wollen.Die Rede war von Investitionen in Höhe von 700 Mill.DM.Außerdem strebe er an, Vox mehrheitlich zu übernehmen, hatte Murdoch vor einem Monat angekündigt.Der Vox-Mitgesellschafter Bertelsmann hatte dieses aber nicht unterstützt.In den Analystenkreisen verlautete dazu, wenn Murdoch bei Vox "ausgebremst" werde, steige die Wahrscheinlichkeit eines Pakts mit Kirch.Bei SAT 1 ist Kirch mit 43 Prozent beteiligt, will diesen Anteil aber durch eine Übernahme der Holtzbrinck-Beteiligung an SAT 1 auf 58 Prozent aufstocken.Weiterer Partner ist der Axel Springer Verlag, der am Donnerstag zu den Meldungen aber keinen Kommentar abgeben wollte.

SAT 1 hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 165 Mill.DM verbucht.Nach dem Verbot einer Allianz mit Bertelsmann beim Digitalfernsehen war außerdem über Milliarden-Anlaufverluste der Kirch-Gruppe in diesem Bereich spekuliert worden.Das Scheitern der Allianz mache für Kirch die Suche nach einem neuen Partner notwendig, hatte es geheißen.Kirch und Murdoch hatten bereits früher den Anlauf zu einer Partnerschaft gemacht.Im Juli 1996 hatten sie eine Zusammenarbeit zwischen Murdochs britischem Digitalsender BSkyB und Kirchs DF 1 angekündigt.Im März 1997 hatte sich BSkyB aber wieder zurückgezogen.

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