Wirtschaft : Neue Stellen im Handwerk ab 1999 möglich

Vorsichtiger Optimismus im Vorfeld der 50.Internationalen Handwerksmesse in München / Euro im Mittelpunkt. MÜNCHEN (brs/HB/dpa/rl).Nach dem Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze rechnet das deutsche Handwerk für 1998 mit einem Stopp des Stellenabbaus.Für 1999 sei sogar erstmals seit Jahren wieder mehr Beschäftigung möglich, teilte die Branche am Mittwoch im Vorfeld der 50.Internationalen Handwerksmesse mit, die am Sonnabend in München beginnt.Zunehmend Ärger bereitet den Betrieben die Schwarzarbeit.Ihr Umsatz dürfte 1998 auf 560 Mrd.Mark steigen, das wären 15 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung."Wir hoffen, daß es uns gelingt, die Beschäftigtenzahlen auf dem derzeitigen Niveau zu halten", sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer.Falls die Konjunktur weiter anziehe, werde es 1999 sogar erstmals wieder auf breiter Front zu Neueinstellungen kommen.Derzeit arbeiten rund 6,5 Millionen Menschen in den rund 835 000 Handwerksbetrieben.20 Prozent aller Arbeitnehmer sind also in einem Handwerksberuf tätig.Die Messe, auf der 1666 Aussteller aus 42 Nationen vertreten sein werden, findet auf der Theresienhöhe statt.Im Mittelpunkt wird der Euro stehen.Die Eröffnungsrede hält entsprechend der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, "der wesentliche Weichenstellungen zur Ausgestaltung der Europäischen Währungsunion mitgesteuert hat", so Franz Reisbeck, Vorsitzender der Gesellschaft für Handwerksausstellungen.Die Messegesellschaft wolle dazu beitragen, den mittelständischen Handwerksbetrieben mit gezielten Informationsveranstaltungen Chancen und Risiken des Euros zu verdeutlichen.Vorsichtig blättert Franz Reisbeck in einem stark vergilbten Buch.Die abgegriffenen Seiten faßt der Geschäftsführer der Münchner Gesellschaft für Handwerksausstellungen und -messen (GHM) nur an den Kanten an.Nach einer Weile hebt er mit Bedacht die Stimme und zitiert aus der Eröffnungsrede der 5.Internationalen Handwerksmesse (IHM) im Jahr 1955 den damaligen Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr, Hanns Seidel: "Im marktwirtschaftlichen System hängt die Stellung des Handwerks von seiner Fähigkeit ab, individuelle Qualitätsleistung mit rationeller Betriebsweise zu vereinigen.Die auf dieses Ziel gerichteten Bestrebungen werden nachhaltig durch den leistungssteigernden Wettbewerb im Rahmen der Deutschen Handwerksmessen gefördert.""Während sich in exportorientierten Industriezweigen die Konjunktur längst erholt hat, hat das stark auf den Binnenmark konzentrierte Handwerk nach wie vor Probleme", sagt Reisbeck.Und die meisten Handwerker, so ein Umfrageergebnis der Handwerkskammer für München und Oberbayern unter 1000 Mitgliedsbetrieben, würden nach Einführung der neuen Währung nicht an einen Umschwung glauben.Im Gegenteil.60 Prozent rechnen mit einer Entwertung der Geldanlagen und 59 Prozent mit einer beschleunigten Inflation.Der Messe-Chef rechnet mit 200 000 Besuchern und 1600 Ausstellern aus 43 Ländern."Beeindruckende Zahlen", findet Reisbeck, "die belegen, daß die IHM immer noch einen untrüglichen Konjunkturindikator für die gesamte Wirtschaftsgruppe abgibt." Neben den üblichen Forderungen an die Politik - Senkung der Sozialabgaben und Steuern - appelliert Reisbeck an die mittelständischen Betriebe, künftig häufiger selbst die Initiative zu ergreifen."Viele Handwerker müssen sich jetzt auf die Suche nach neuen Nischen machen." Dabei denkt der GHM-Geschäftsführer vor allem an die intelligente Verknüpfung von handwerklichen Leistungen und Kundenservice, etwa den Verkauf eines Wartungsvertrags mit der Installation einer neuen Heizungsanlage.

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