Neue Strategie : Vattenfall hält an Berlin fest

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall wird umgebaut, seine Berliner Dependance behält aber wohl ihr Gewicht. Ab Januar soll es keine regionalen Tochtergesellschaften mehr geben, stattdessen funktionale Sparten, die zentral gesteuert werden.

David C. Lerch
Gesichert. Auch künftig soll in der Lausitz Braunkohle abgebaut werden.
Gesichert. Auch künftig soll in der Lausitz Braunkohle abgebaut werden.Foto: ZB

Berlin -Wie der Tagesspiegel aus Konzernkreisen erfuhr, hat sich der Aufsichtsrat am Montag in Stockholm auf die neue Struktur verständigt. Für den heutigen Dienstag lud der Konzern zu einer Pressekonferenz ein.

Welche Konsequenzen die Entscheidung in Schweden für die Zukunft des Konzerns in Berlin hat, ist nicht endgültig abzusehen. Aber es ist klar, es gibt eine Zukunft. Derzeit wird Vattenfall Europe, eine von drei regionalen Töchtern, aus Berlin gesteuert. Deren Chef Tuomo Hatakka soll künftig von Berlin aus die Produktion für das gesamte europäische Vattenfall-Geschäft leiten.

Im Moment ist Hatakka für Deutschland und Polen zuständig. Hierzulande beschäftigt Vattenfall Europe insgesamt 21 000 Mitarbeiter, darunter 5800 in Berlin. Die anderen regionalen Gesellschaften kümmern sich von Amsterdam aus um die Niederlande und Belgien sowie von der Konzernzentrale in Stockholm aus um Dänemark und Finnland.

Mit der Entscheidung in Stockholm können wohl auch zahlreiche Beschäftigte in der Lausitz aufatmen, wo Vattenfall drei Braunkohlekraftwerke betreibt. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass sich der Konzern nicht nur organisatorisch, sondern auch strategisch neu aufstelle und sich dabei von den Kohlekraftwerken trennen wolle. Auch in dieser Frage hat der Aufsichtsrat am Montag entschieden und sich offenbar gegen einen Verkauf der Kraftwerke ausgesprochen. Man gehe davon aus, dass sich in der Lausitz nichts ändert, hieß es aus Kreisen der Tagebausparte von Vattenfall am Montagnachmittag. Davor hatte das Management intern über die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung informiert.

Umweltschützer kritisieren Vattenfall seit langem für den Betrieb riesiger Kohlekraftwerke in Deutschland und Polen. Während der Konzern in Schweden neben Atom- und Wasserkraft künftig vermehrt auf Windenergie setzt, schürft er in Ostdeutschland Braunkohle und baut in Hamburg-Moorberg eine riesige Steinkohleanlage. 2009 stammten 55 Prozent von Vattenfalls gesamter Energieproduktion aus fossilen Brennstoffen, in Deutschland mehr als 90 Prozent.

Dass Vattenfall nun dennoch an der Kohle festhält, hat wohl finanzielle Gründe. „Die Braunkohle in der Lausitz wirft für Vattenfall jedes Jahr eine Milliarde Euro Gewinn ab“, sagte Rüdiger Siebers, Betriebsratschef der Tagebausparte von Vattenfall, dem Tagesspiegel. Darauf wollen die Schweden offenbar nicht verzichten. David C. Lerch

1 Kommentar

Neuester Kommentar