Wirtschaft : Neue T-Aktien kosten 39,50 Euro

FRANKFURT (MAIN) (hk/HB). Die Kapitalerhöhung der Telekom ist erwartungsgemäß erfolgreich abgeschlossen worden. Voller Stolz und Lob für alle Beteiligten kommentierten die Vorstände der Deutschen Telekom AG und ihrer Konsortialführer das Ergebnis der größten Kapitalerhöhung in der Geschichte des Finanzplatzes Deutschland. Folgende Eckdaten sind am Sonntag in der Frankfurter Börse bekanntgegeben worden: Die neuen T-Aktien kosten 39,50 Euro. Nachgefragt wurden insgesamt rund 500 Mill. Aktien; damit wurde die Emission zweifach überzeichnet. Die Gesamtplazierung umfaßt 285,9 Mill. Stück, wenn "Greenshoe" (Mehrzuteilungsreserve) und Mitarbeitertranche hinzugerechnet werden. Der Telekom fließen als Emissionserlös knapp 11 Mrd. Euro oder 21,1 Mrd. DM zu - etwas weniger, als nach den Hochständen der Telekom-Aktie in den letzten Tagen erwartet worden war. Damit füllt sich die Kriegskasse für Beteiligungsinvestitionen auf 35 Mrd. DM. Die Gesamtkosten der Emission wurden auf voraussichtlich "etwas über 300 Mill. DM" beziffert. Der Kapitalanteil von Bund und Kreditanstalt für Wiederaufbau, der bislang bei 72 Prozent liegt, wird nach Abschluß der Transaktion auf zwei Drittel zurückgehen.Alle mit der Kapitalerhöhung verbundenen Ziele seien erreicht worden, betonten Vorstandsvorsitzender Ron Sommer und Finanzvorstand Joachim Kröske. Dazu gehörten neben dem Engagement der Mitarbeiter und der Verbreiterung der Aktionärsbasis insbesondere die innovative Realisierung eines paneuropäischen öffentlichen Angebots an Privatanleger in allen elf Euro-Ländern und die gegenüber der Erstemission von 1996 noch stärkere Einbeziehung der Privatanleger. Diese sind bei der Zuteilung nun mit 62 (damals rund 45) Prozent berücksichtigt worden. Sommer wörtlich: "Die T-Aktie ist zu einem begehrten Markenartikel geworden, nicht nur für Deutschland. Mit der Kapitalerhöhung feiert die T-Aktie Premiere als die erste wirkliche Euro-Aktie." Das Loblied auf die Privatanleger ging Sommer leicht von den Lippen. Schließlich waren sie es, die die größte Emission des Jahres zu einem vollen Erfolg gemacht haben. 250 Mill. Aktien orderten Privatanleger in Euroland, weitere 60 Mill. wollten Privatleute aus Japan und den USA kaufen. 5,9 Mill. Stück gingen außerdem an 112 000 Mitarbeiter.Angesichts des außerordentlich großen Volumens und eines schwierigen Börsenumfelds bezeichnete Sommer den in einem "fairen Prozeß" ermittelten Preis als sein "Traumziel". Er lasse Spielraum für im Sinne der Anleger positive Perspektiven der T-Aktie, für die ja bereits Kurse von mehr als 45 Euro notiert worden seien. Die 39,50 Euro entsprechen exakt dem letzten Kurs im elektronischen Xetra-Handel vom vergangenen Freitag. Völlig überraschend war der Kurs in der Schlußauktion von zuvor 41,50 (Parkettschluß) auf eben 39,50 Euro (minus 6,8 Prozent gegenüber Donnerstag) eingebrochen, als ein massives Verkaufsvolumen plötzlich für Irritationen und Verzögerungen im Geschäftsschluß sorgten. Der Verdacht, ob etwa von Konsortialbanken bewußt Druck auf die Kurse ausgeübt worden sei, wurde von den Bankvorständen Ronaldo Schmitz (Deutsche Bank) und Gert Häusler (Dresdner Bank) unter Hinweis auf die rechtliche Lage bei einer solchen internationalen Transaktion mit Nachdruck zurückgewiesen. Man wisse nicht, wer zuletzt so stark "geschüttet" habe; doch sei Druck auf den Markt am Ende solcher Transaktionen durchaus nicht unüblich. Für Ron Sommer sind die 39,50 Euro, gemessen am Orderbuch, geradezu "perfekt". Am heutigen Montag beginnt der Börsenhandel der neuen T-Aktien in Frankfurt (Main) und New York, am Dienstag dann auch in Tokio.Bei Fragen zum Verwendungszweck des zugeflossenen Geldes blieb Ron Sommer am Sonntag weiterhin vage. Er stellte erneut Zukäufe im Mobilfunk, bei Online-Diensten und Systemtechnik in Aussicht, aber: "Namen werde ich auch heute nicht nennen." Sichtlich zufrieden war Sommer mit der hohen Nachfrage aus Italien, wo eine halbe Million Menschen T-Aktien zeichnen wollten. "Ich glaube daher, daß der italienische Kapitalmarkt der Fusion viel offener und interessierter gegenüberstand, als so mancher gedacht hat", interpretierte der TelekomChef dieses Ergebnis.Um dem großen Interesse der europäischen Privatanleger Rechnung zu tragen, sollten die neuen T-Aktien so zugeteilt werden, daß 62 Prozent des Zeichnungsvolumens bedient werden. Der Zuteilungsschlüssel sieht vor, daß jeder Interessent die Mindestmenge von 50 Aktien erhält. Wer mehr gezeichnet hat, erhält zusätzlich 45 Prozent von der darüber hinausgehenden Menge. Deutlich geringer fallen die Zuteilungsquoten bei außereuropäischen Privatanlegern aus: Sie erhalten etwa 30 Prozent ihres Zeichnungsvolumens. Insgesamt gehen zwei Drittel der neuen Aktien an Privatanleger, ein Drittel erhalten institutionelle Investoren.

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