Wirtschaft : Neue Technologien: Sieben verflixte Studien-Jahre

Henrik Mortsiefer

Sieben Jahre verbringt der deutsche Durchschnittsstudent im Hörsaal - wenn er auch seinen Abschluss macht. In Fächern wie Informatik kommt die Hälfte der Studierenden gar nicht so weit und verlässt die Uni schon vorher. Nach landläufiger Meinung finden diese Computerexperten einen Job in der Wirtschaft, oder sie machen sich als Start-ups selbstständig. Doch die Realität sieht leider anders aus. Die Mehrzahl der Abbrecher kehrt den deutschen Hochschulen aus Frust den Rücken. Der Grund: Die für den Innovationsstandort Deutschland wichtigen Studiengänge sind ineffizient, überfüllt und theorielastig. Ausnahmen bestätigen die Regel. Der heute schon dramatische Fachkräftemangel wird sich weiter verschärfen, wenn sich daran nicht bald Grundsätzliches ändert. Über 700 000 Stellen werden in Deutschland im Jahr 2003 unbesetzt bleiben, in Europa sind es 3,8 Millionen. Eine alarmierende Zahl. Wie man Schlimmeres verhindern kann, zeigen die skandinavischen Länder. Beispiel Finnland. Die bei technischen Innovationen - siehe Handys - experimentierfreudigen Finnen haben ihr Hochschulsystem früh für Bildungspartnerschaften mit Unternehmen der Telekommunikations-, Computer- und Internet-Wirtschaft geöffnet. Dies hat eine praxisnahe Ausbildung hervorgebracht, die sich nicht nur für die Wirtschaft auszahlt. Das Modell entlastet auch die Universitäten, macht sie unbürokratischer und damit attraktiver für Studierende. Und: Der skandinavische Arbeitsmarkt für I+K-Fachkräfte ist vergleichsweise entspannt. Die Debatte um Greencards und ein Einwanderungsgesetz ist "gut und richtig" wie der Branchenverband Bitkom lakonisch bemerkt. Solange allerdings das deutsche Ausbildungssystem in so engen Grenzen und derart am Bedarf vorbei organisiert bleibt, wird an den Ursachen für die Misere weiter entschlossen vorbei debattiert.

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