Wirtschaft : Neue Telekom-Aktien unter Verdacht

FRANKFURT (MAIN) (AP). Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre hat interessierten Privatanlegern geraten, die neuen T-Aktien nur mit Limit zu zeichnen. "Wer in den nächsten Tagen ohne Limit zeichnet, sorgt tendenziell für einen höheren Ausgabepreis", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung, Anneliese Hieke, der "Süddeutschen Zeitung". Die Telekom wolle mit dem verschachtelten Fahrplan und den Rabatten für Frühzeichner den Ausgabepreis künstlich in die Höhe treiben.

Hieke erklärte, daß manche Börsenfachblätter bei den jungen T-Aktien zu einem Limit von 40 Euro rieten. "Trotz der enormen Kursgewinne in den vergangenen Wochen halte ich diese Grenze aber für viel zu hoch." Nur leider unterschrieben viele Anleger ohne Limit ihre Aufträge, weil ihnen die Berater der Hausbank sagten, daß sie sonst nichts bekämen.

Auch Hieke erwartet, daß es beim zweiten Börsengang der Telekom erneut zu einer Überzeichnung komme. Dafür sorge schon der geschickte Schachzug der Telekom, die neuen Aktien in allen Mitgliedsländern der Eurozone zu denselben Vergünstigungen zu offerieren. "Dennoch glaube ich nicht, daß es, wie 1996, zu einer regelrechten Kauforgie kommt." Es gebe eigentlich keinen zwingenden Grund, warum sich ein Anleger die neuen T-Aktien unbedingt ins Depot legen sollte. Die Kaufanreize für Frühzeichner von zwei Euro haben nach Ansicht von Hieke einen großen Haken: Die Telekom werde erst nach einer außergewöhnlich langen Frist am 26. oder 27. Juni den Ausgabepreis für die neuen T-Aktien bekanntgeben. Interessenten müßten aber schon vorher blind zeichnen, ohne eine Preisspanne als Anhaltspunkt zu haben. Auch ob das Angebot der neuen Treueaktien wirklich gut sei, ließe sich schwer abschätzen. Private Anleger, die die neuen Aktien 14 Monate bis August 2000 im Depot behielten, könnte der Aktienkurs verwässert werden, weil der Bund ab Juni 2000 seine Papiere verkaufen dürfe. "Die Treueaktie wäre dann womöglich weniger wert, als jetzt erwartet wird." Der Kurs der T-Aktie kletterte an der Frankfurter Börse auch am Dienstag deutlich in die Höhe.

Die Deutsche Telekom AG hat derweil ihr Engagement bei der Finanzierung besonders wachstumsträchtiger Telekommunikationsunternehmen ausgebaut. Die für dieses Geschäft verantwortliche Tochtergesellschaft T-Venture habe ihr genehmigtes Kapital jetzt um 200 Mill. DM auf 300 Mill. DM erhöht, teilte der Konzern am Dienstag in Bonn mit. Davon kämen 100 Mill. DM als Kapitalzufuhr von der Telekom und weitere 100 Mill. DM als Mittelrückflüsse aus bestehenden Investments.

Die vor eineinhalb Jahren als 100prozentige Telekom-Tochter gegründete T-Telematik Venture Holding GmbH stellt Kapital für innovative Dienstleistungs- und High-Tech-Unternehmen mit hohen Wachstumspotentialen auf den Märkten der Telekommunikations- und Informationstechnologie zur Verfügung. Der Konzern will sich auf diesem Wege das Know-how dieser Unternehmen sichern und zugleich von den häufig überdurchschnittlich hohen Wertsteigerungen schnell wachsender Telematik-Firmen profitieren.

Die Telekom-Tochter T-Venture hält derzeit nach eigenen Angaben Direktbeteiligungen an insgesamt 15 Unternehmen in Deutschland und Europa. Der Marktwert des in den Beteiligungen investierten Kapitals in Höhe von 100 Mill. DM belaufe sich aktuell auf etwa 250 Mill. DM. "T-Venture hat sich in kurzer Zeit zu einem anerkannten Partner in der internationalen Venture Capital Szene entwickelt", sagte Telekom-Vorstand und T-Venture-Aufsichtsrat Hagen Hultzsch.

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