Wirtschaft : Neue Tiefstände von Dax und Nemax

Börsenbarometer Dax fällt unter 3400 Punkte / Strafanzeige gegen Telekom-Manager drückt die T-Aktie

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Berlin (vis). Die deutschen Börsen sind schwach in die neue Woche gestartet. Kräftige Verluste verbuchten am Montag vor allem die Finanz- und Technologiewerte. Zu den Verlierern gehörte auch die Aktie der Deutschen Telekom. Eine Stuttgarter Anwaltskanzlei hatte Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue gegen Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens gestellt. Die T-Aktie sackte im Handelsverlauf um mehr als fünf Prozent und schloss bei 10,25 Euro.

Der Deutsche Aktienindex Dax büßte am Montag 5,66 Prozent auf 3332,65 Zähler ein. Der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax 50 verlor 5,88 Prozent auf 488,51 Punkte. „Es herrscht Frustration am Markt“, sagte ein Händler. Viele Anleger hätten sich zuletzt die Finger verbrannt und hielten sich daher zurück. Zudem habe das Abrutschen des Dax unter die Marke von 3500 Punkten Stop- Loss-Verkäufe ausgelöst. Mit dem Verkauf ihrer Aktien versuchen Anleger ihre Verluste zu begrenzen, sagte ein Händler.

Die Staatsanwaltschaft Bonn bestätigte unterdessen am Montag, dass die Strafanzeige der beiden Stuttgarter Rechtsanwälte Mark Binz und Martin Sorg gegen ehemalige und aktive Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat der Telekom bei der Behörde eingegangen sei. Sie werde nun geprüft. Binz und Sorg werfen unter anderen dem Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus, seinem Vorgänger und jetzigen Vorstandschef Helmut Sihler, dem Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat, Staatssekretär Heribert Zitzelsberger, und dem zurückgetretenen Telekom- Chef Ron Sommer Untreue vor. Dieser Verdacht stehe im Zusammenhang mit dem Aktienoptionsplan der Telekom für das Jahr 2001, der Erhöhung der Vorstandsbezüge um 90 Prozent im selben Jahr und der dem zurückgetretenen Ron Sommer bei seinem Ausscheiden zugesagten Abfindung.

Die Telekom hatte erstmals im Jahr 2000 einen Aktienoptionsplan aufgelegt. Ziel eines solchen Programmes ist es, die Gehälter der Vorstände an die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens zu koppeln. Bewertet wird der Erfolg dabei am Börsenkurs. Die Manager können eine festgelegte Anzahl Aktien zu einem vorher fixierten Preis erwerben, wenn der Kurs der Aktie einen ebenfalls vorher bestimmten Preis überschreitet. Im Optionsplan 2000 war zudem festgelegt, dass die Aktie außerdem einen Branchen-Index schlagen muss, damit die Option ausgeübt werden kann. Im geänderten Plan für 2001 wurde diese Klausel gestrichen. Die Stuttgarter Anwälte kritisieren nun, dass ein Aktienoptionsplan, der auf ein relatives Erfolgsziel verzichtet, ungeeignet sei, den Vorstand zu motivieren. Zudem habe der Vorstand die Aktionäre nicht ausreichend über die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen der Regelung informiert.

„Wir beobachten seit Jahren mit Sorge, wie angestellte Manager ihre Verantwortung als Interessenvertreter ihrer Anteilseigner nicht gerecht werden“, sagte Binz dem Tagesspiegel. Seine Kanzlei hatte bereits gegen Aufsichtsräte des Mannesmann-Konzerns wegen einer Millionen-Zuwendung an den ehemaligen Unternehmenschef Klaus Esser Strafanzeige wegen Untreue erstattet. Der Aktienoptionsplan der Telekom sei ein Musterbeispiel, wie schlecht es um die Moral in der Wirtschaft bestellt sei. „Wir beobachten hier wirtschaftliche Zusammenhänge, bei denen keine vernünftige Kontrolle mehr stattfindet“, sagte Binz. Vorstände und Aufsichtsräte würden sich gegenseitig in die eigenen Taschen wirtschaften und die Anleger schädigen. Zu seinem Motiv sagte er: „Es kann nicht sein, dass ein Vorstand wie Ron Sommer die Aktionäre bundesweit zum Narren hält und wir aus Bequemlichkeit nichts dagegen tun.“ Er sei zuversichtlich, dass die Staatsanwaltschaft die Anzeige aufgreife.

Bei der Deutschen Telekom wollte ein Sprecher zu den Einzelheiten zunächst nicht Stellung nehmen, da die Anzeige im Unternehmen noch nicht vorliege. Die Vorwürfe seien aber „unverständlich“, da die Aktienoptionspläne der Telekom sich im Rahmen vergleichbarer Programme bei anderen Unternehmen bewegten.

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