Wirtschaft : Neue Vorstände bei Sero und EWS

DÜSSELDORF (val).Die schweren Anschuldigungen der Bielefelder Staatsanwaltschaft wird die Euro Waste Service AG (EWS), Dülmen, die Finanz-Holding der Sero Entsorgung AG, Berlin, und der Lösch AG, Dülmen, überleben, auch die Banken werden der Holding vorerst nicht den Geldhahn abdrehen.Das sagte Karl Müller, neues Vorstandsmitglied der EWS, am Mittwoch in Düsseldorf.

Wie berichtet hatte die Staatsanwaltschaft Bielefeld sieben Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der EWS-Holding verhaftet, darunter die beiden Hauptgesellschafter der Gruppe, Johannes und Dieter Löbbert, sowie den Sero-Vorstandssprecher Thomas Wagner.Sie wirft ihnen Steuerhinterziehung und Kreditbetrug durch Vorlage manipulierter Bilanzen vor.Außerdem sollen zwischen 1991 und 1997 Scheinrechnungen im Wert von über 262 Mill.DM zwischen Sero, Lösch und anderen Firmen der EWS-Gruppe kursiert sein.Selbst wenn sich aber sämtliche Vorwürfe bewahrheiten, gibt es nach Angaben von Müller noch genügend Eigenkapital.Müller ist das einzige Vorstandsmitglied der in Verdacht geratenen Unternehmen Lösch und Sero, gegen das die Staatsanwaltschaft nicht ermittelt.Er beziffert das Eigenkapital des Konzerns auf 440 Mill.DM - im schlimmsten Falle wären die gesetzlich vorgeschriebenen 50 Prozent des Eigenkapitals der Gruppe noch immer gesichert, meint Müller.Den Ausführungen Müllers zufolge sind nur Lösch und Sero innerhalb des EWS-Konzerns von den Anschuldigungen betroffen - die beiden Unternehmen verfügten jeweils über ein Eigenkapital von 120 Mill.DM.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stritt Müller nicht ab.Er bezeichnete die Lage als ein "unerhörtes Geflecht", das die Staatsanwaltschaft prüfen müsse.Dabei wolle die EWS alles "rückhaltslos aufklären".Zu Zahlen wollte sich Müller nicht äußern, die "fieberhafte Aufklärung" soll aber noch vor Weihnachten mehr Informationen bringen.Schwachstellen gebe es bei den Forderungen, die möglicherweise mit 900 Mill.DM zu hoch ausgewiesen seien.Den Forderungen stünden Verbindlichkeiten in Höhe von 900 Mill.DM gegenüber, von denen nach Angaben Müllers etwa 700 Mill.kurzfristig zu bedienen sind - darüber verhandele die EWS mit den Gläubigerbanken.

Am Vortage hatte die Gruppe nach eigenen Angaben mit 43 Gläubigerbanken - unter ihnen die Dresdner Bank und die Deutsche Bank - ein Stillhalteabkommen vereinbart.Die Kreditinstitute stehen Müller zufolge bis auf weiteres hinter der Politik des neuen Führungsgremiums.In dem neuen Vorstand der EWS AG sitzen jetzt neben Müller und dem Vorstand der EWS-Tochter B.U.S., Günter Ökon, der Unternehmensberater Hans-Günter Lümmen, sowie Michael Kniesel.Kniesel war nach eigenen Angaben bis zum Jahre 1993 Polizeipräsident in Bonn, später engagierte er sich als Rechtsanwalt in der Abfallwirtschaft.

Nach Angaben Müllers kann der neue Vorstand auch ohne Einverständnis der Löbbert-Brüder aktiv werden, die zu jeweils 40 Prozent an der EWS beteiligt sind.Die EWS habe zwar einen "Sprachkanal" ins Gefängnis geschaffen.Klar sei aber, sagte Müller, daß die Banken "es verhindern werden, daß die Löbbert-Brüder da nochmal eingreifen".

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