Wirtschaft : Neuemissionen: Am Markt tut sich wieder etwas

abk/beu/mm

Konservative Werte haben Konjunktur: Defensive Börsenkandidaten wie die auf Fisch- und Meerestiere spezialisierte Nordsee-Kette, der Friseur-Filialist Essanelle oder Fraport, der Betreiber des Frankfurter Flughafens, sorgen für Belebung am lange daniederliegenden Markt für Neuemissionen. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wagten sich in Deutschland gerade mal 15 Unternehmen an die Börse. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren bis Ende Mai bereits mehr als 80 Platzierungen über die Bühne gegangen, davon entfielen mehr als drei Viertel auf den Neuen Markt. Heute zieht es von den acht Gesellschaften, die bis Ende Juni den Börsengang wagen wollen, gerade noch drei Unternehmen ins Wachstumssegment: den Logistikanbieter Müller, das Biotech-Unternehmen Zentaris und den Medizintechniker World of Medicine. "Nach dem Kursrutsch an den Technologiebörsen sind Unternehmen mit erfahrenem Management und vor allem schwarze Zahlen stark gefragt", sagt Michael Gierse von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Zur immer größer werdenden Gruppe der börsenwilligen Unternehmen aus der Old Economy stößt nach Fraport und Essanelle jetzt auch die Nordsee AG. Die Restaurantkette strebt ein Emissionsvolumen zwischen 200 und 250 Millionen Euro an. Mitte Juni soll der Startschuss für den Börsengang fallen. Die Mittel aus der Platzierung will Vorstandschef Manfred Zipp nutzen, um die Zahl der Standorte in Deutschland und Österreich um 200 auf 600 zu erhöhen. Als interessante Märkte für die Expansion hat Zipp auch die Schweiz, die Benelux-Länder, Skandinavien und Osteuropa im Auge. Die vor 105 Jahren gegründete und dann lange zum Unilever-Konzern gehörende Nordsee wurde vom neuen Mehrheitsgesellschafter Apax Partners neu aufgestellt und auf das Kerngeschäft "Schnellrestaurant" getrimmt. Während die Nordsee-Gruppe unter Unilever-Führung magere Ergebnisse ablieferte, meldete das Unternehmen im Geschäftsjahr 1999/2000 (31.3.) bei 680 Millionen Mark Umsatz ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 82 Millionen Mark.

Bereits am 5. Juni startet die Zeichnungsfrist für die erste deutsche Friseuraktie, die am 15. Juni dann erstmals im Kleinwertesegment Smax notieren soll. Obwohl die Friseurbranche 2000 - wie bereits seit mehreren Jahren - real leichte Verluste verzeichnete, gelang es großen Ketten wie Essanelle, den Umsatz zu steigern. Essanelle kann seit 1998 auf ein durchschnittliches Wachstum von rund zehn Prozent pro Jahr verweisen und sieht sich mit Erlösen von 108 Millionen Euro im vergangenen Jahr als Deutschlands umsatzstärkste Friseurkette. Die Essanelle Gruppe, die bereits über 550 Salons führt, plant durch die Akquisition kleinerer und mittlerer Ketten weiter zu wachsen, die nötigen Mittel dafür sollen aus dem Börsengang kommen.

Während Nordsee und Essanelle noch mit den Vorbereitungen für den Sprung an den Kapitalmarkt beschäftigt sind, hat für Fraport die heiße Phase bereits begonnen. Seit Montag können Anleger die erste deutsche Flughafenaktie in einer Spanne zwischen 32 und 37 Euro zeichnen. Die Emission soll bis zu 840 Millionen Euro in die Kassen spülen. Die Orderfrist läuft für Privatanleger noch bis zum 7. Juni.

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