Neuer Aufsichtsratschef : Peter Zühlsdorff soll Messe Berlin kontrolllieren

Nach monatelangem Streit ist nun klar: Peter Zühlsdorff soll neuer Aufsichtsratschef der Messe Berlin werden – vom Regierenden Bürgermeister vermittelt.

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Der Berliner Peter Zühlsdorff kehrte 2007 mit seiner Familie in seine Heimatstadt zurück. Das Bild zeigt ihn vor der International School Villa Amalienhof, deren Gesellschafter er ist.
Der Berliner Peter Zühlsdorff kehrte 2007 mit seiner Familie in seine Heimatstadt zurück. Das Bild zeigt ihn vor der International...Foto: Amin Akhtar/laif

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat den Konflikt um den Aufsichtsratsvorsitz der Messe Berlin gelöst. In mehreren Gesprächsrunden verständigten sich Wowereit und die Präsidenten der Berliner Kammern mit Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) auf folgende Lösung: Neuer Aufsichtsratsvorsitzender wird auf Vorschlag von Handwerkspräsident Stephan Schwarz der Unternehmer Peter Zühlsdorff. Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Kamp verlässt den Aufsichtsrat. Anstelle von Kamp, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik gfu ist, entsendet die gfu einen anderen Vertreter in das Gremium. Das ist wichtig, da die gfu als Veranstalter der Internationalen Funkausstellung Ifa ebenso einen Sitze im Messe-Aufsichtsrat behalten soll wie der Bauernverband wegen der Grünen Woche. Yzer hatte der gfu keinen Sitz mehr zugestehen wollen.

Mit dem nun von Wowereit vermittelten Kompromiss endet ein monatelanger Streit, dessen Ursprung in den Herbst 2012 zurückreicht. Damals ging es um die Nachfolge des langjährigen Messechefs Raimund Hosch. Christian Göke, der die Messe mehr als zehn Jahre als Hoschs Vize geführt hatte, gewann ein aufwendiges Auswahlverfahren und stand damit als Nachfolger fest.

Hans-Joachim Kamp verlässt das Gremium nach zehn Jahren

Doch kurz vor der Bestellung durch den Aufsichtsrat wollte Wirtschaftssenatorin Yzer ihn plötzlich nicht mehr und plädierte für den Zweitplatzierten, einen Manager aus dem Lufthansa-Konzern. Eigentlich hat die Senatorin als Vertreterin des Landes in der landeseigenen Gesellschaft das letzte Wort. Doch in diesem Fall wehrte sich Aufsichtsratschef Kamp erfolgreich und setzte Göke mit Hilfe des IHK-Präsidenten Eric Schweitzer und CDU-Chef Frank Henkel durch. Das hat Yzer nicht vergessen. Und da der Aufsichtsrat in diesem Sommer neu zu besetzen ist, war die Gelegenheit gekommen, Kamp loswerden. Dazu brauchte sie aber einen überzeugenden Nachfolger.

Am vergangenen Freitag informierte Klaus Wowereit den früheren Philips-Manager Kamp in einem persönlichen Gespräch darüber, dass er nach zehn Jahren im Aufsichtsrat der Messe nicht wieder berufen wird. Kamp kann damit einigermaßen leben, weil die gfu nun doch und gegen den Willen Yzers weiterhin im Aufsichtsrat vertreten ist. Das gilt auch für die IHK. Yzer möchte den Hauptgeschäftsführer der Kammer, Jan Eder, nicht länger im Messe-Aufsichtsrat sehen, doch der Wowereit-Kompromiss sieht nun vor, dass auch die IHK in dem Gremium vertreten bleibt. Das ist wichtig mit Blick auf das kommende Jahr, wenn die Vertragsverlängerung Gökes ansteht. Bisher ging der Messechef davon aus, dass die Luft auch für ihn dünn wird, wenn sein Förderer Kamp nicht mehr da ist. Doch mit Zühlsdorff und Eder im Aufsichtsrat dürften die Chancen Gökes auf eine Vertragsverlängerung nicht schlecht stehen.

Yzer bekommt nicht den Aufsichtsrat, den sie sich wünscht

Jedenfalls bekommt Yzer nicht den Aufsichtsrat, den sie gerne hätte. Dennoch sagte sie dem Tagesspiegel am Sonntag: „Ich freue mich, dass ich mit Peter Zühlsdorff einen erfahrenen Manager und Aufsichtsrat mit langjährigem Einsatz in und für Berlin für den Aufsichtsratsvorsitz der Messe Berlin gewinnen konnte.“ In Wirklichkeit wollte Yzer Zühlsdorff aber nicht. Im Kreis der Beteiligten hieß es, Yzer habe einen jungen Mann aus der Venture-Capital-Branche für den Posten im Auge gehabt und versucht, Zühlsdorff zu verhindern. Doch Wowereit und die Kammerpräsidenten hätten sie ins Leere laufen lassen. Vor allem Wowereit habe „glänzend agiert“ und mit „großem taktischen Vermögen“ erreicht, dass die Vertreter der Berliner Wirtschaft zufrieden seien und gleichzeitig ein Koalitionskrach mit der CDU vermieden worden sei. CDU-Chef Henkel, der Yzer vor Wochen „freie Hand“ bei der Besetzung des Messe-Aufsichtsrats gewährt hatte, habe in dem Kompromissverfahren keine Rolle gespielt.

Das weitere Procedere: Am 3. Juni trifft sich die Gesellschafterversammlung der Messe zum letzten Mal unter der Leitung von Kamp, um die Aufsichtsratsmitglieder der Kapitalseite zu nominieren. Anfang Juli dann tritt erstmals der neue Aufsichtsrat zusammen und wählt aus seinem Kreis den Vorsitzenden – nach jetzigem Stand Peter Zühlsdorff.

Zühlsdorff leitet den Aufsichtsrat der Vivantes-Kliniken

Derzeit ist Zühlsdorff auch Aufsichtsratsvorsitzender der Vivantes-Kliniken. Das „Manager-Magazin“ bezeichnete den heute 73-Jährigen einmal als „Troubleshooter der deutschen Wirtschaft“. Der erfahrene Manager hat sich als Sanierer des Kosmetikkonzerns Wella einen Namen gemacht, den er von 1991 bis 1995 führte. Bekannt wurde er Ende der 90er Jahre als Sanierer des Handelskonzerns Tengelmann und des Dualen Systems Deutschland („Grüner Punkt“). 1997 übernahm Zühlsdorff die Geschäftsführung der Beteiligungsgesellschaft Deutsche Industrie Holding, die auch die defizitäre Kaufhauskette SinnLefers übernahm, erfolgreich sanierte und verkaufte. Daneben war Zühlsdorff in vielen Aufsichtsräten tätig.

Auch in Berlin. So wurde er Ende 2010 zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner gewählt, legte das Mandat „aus persönlichen Gründen“, wie es in einer Mitteilung der Gesellschaft damals hieß, aber bereits Anfang 2012 wieder nieder. Hintergrund waren Konflikte mit der Vorgängerin von Yzer, der früheren Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (CDU).

Über viele Jahre pendelte Zühlsdorff aus beruflichen Gründen zwischen dem Taunus, Moskau und Berlin hin und her. 2007 kehrte der Berliner mit seiner Familie zurück in seine Heimatstadt. Bei der Suche nach einer passenden Schule für seine beiden Töchter stieß er auf die Internationale Schule Villa Amalienhof in Spandau – die er ebenfalls sanierte.

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