Wirtschaft : Neuer Auftritt für Opel

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München (ro). Nicht einmal drei Wochen arbeitet Klaudia Martini bei Opel. Aber schon jetzt weiß die ehemalige rheinland-pfälzische Umweltministerin, wo es hakt bei dem Autobauer. "Wir bauen sehr gute Autos, aber unser Image ist nicht das beste. Vor allem daran muss ich arbeiten." Dabei weiß sie, dass es nicht nur darum geht, die Autos aus Rüsselsheim künftig moderner zu präsentieren - ein neuer Werbeauftritt ist eines ihrer ersten großen Projekte als Kommunikationsvorstand bei Opel.

Ein gelungener Werbeauftritt ist jedoch längst nicht alles, was der Tochter des US-Konzerns General Motors bisher fehlt. Nach jahrelangen Querelen um Führung und Kompetenzen des deutschen Autobauers soll nun mit dem neuen Vorstandschef Carl-Peter Forster neuer Zug in die Rüsselsheimer Zentrale kommen. Das interne Bild der Traditionsfirma müsse dringend auf Vordermann gebracht werden, meint Martini. "Im Ministerium hatten wir klare Strukturen. Das ist bei Opel nicht der Fall", sagt sie. Opel ist zwar formal eine Aktiengesellschaft mit einem eigenverantwortlichen Vorstand. Aber darüber sitzt die Konzern-Zentrale der Opel-Mutter General Motors (GM) in Detroit, und außerdem redet die GM-Europa-Zentrale in Zürich kräftig mit bei allen Fragen, die Opel betreffen. Seit Jahren sorgt diese Struktur für Ärger.

Vor allem Zürich bremse nach wie vor, heißt es in Rüsselsheim. Opel-Chef Forster beteuert zwar, dass mittlerweile alles im Lot sei und die Kompetenzen zwischen der GM-Europa-Zentrale und Opel klar abgegrenzt seien. Aber kaum war Klaudia Martini da, lancierte die Europa-Zentrale eine Meldung über das Sanierungsprogramm "Olympia", die nicht mit Rüsselsheim abgestimmt war und in der Öffentlichkeit für Irritationen sorgte. Martini erzählt nicht, wie sie darauf reagiert hat. Ihr Blick sagt allerdings alles.

Die erste Frau im Opel-Vorstand muss sich auch auf einen sehr starken und in der Öffentlichkeit sehr aktiven Opel-Betriebsrat einstellen. Auch hier werden die Gespräche über ein Sanierungsprogramm und interne wie externe Kommunikation nicht einfach. Die 50-jährige Juristin, die weiter in der Nähe von München wohnt, weiß selbst am besten, dass weder dem Unternehmen, noch ihr selbst viel Zeit bleibt, um Erfolge vorzuzeigen.

Und dass ihr Budget dafür nicht gerade üppig ist, hat sie inzwischen auch herausgefunden. Im Gegenteil. Martini muss nicht nur das Opel-Image aufpolieren und das Sanierungsprogramm "Olympia" verkaufen, sie muss auch in der eigenen Abteilung sparen. "Spätestens 2003 müssen wir zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen." Wenn im nächsten Jahr der US-Automarkt einbrechen sollte, wird GM kaum bereit sein, erneut hohe Verluste bei Opel auszugleichen. Allein für 2001 dürfte wieder fast eine Milliarde DM fällig werden.

Dabei hat Frau Martini eigentlich viel längerfristige Ziele im Auge. Die Umwelt, vor allem eine nachhaltige Entwicklung ist ihr ein Hauptanliegen. "Als Umweltminister stößt man da an Grenzen. Die reine Umweltdebatte ist passé. Es geht um Nachhaltigkeit." Deshalb ist sie bewusst in die Wirtschaft gewechselt. Bei Opel möchte sie den Einsatz der Brennstoffzelle forcieren und sinniert darüber, wie die Brennstoffzelle als stationäre Einheit im Haus, Auto und Wohnhaus mit Energie versorgen kann. "Aber da reden wir von 30, 40 oder 50 Jahren." Für drei Jahre hat sich Klaudia Martini an Opel gebunden - auf eigenen Wunsch. "Ich will frei sein in meiner Lebensplanung." Eines allerdings steht fest. In die Politik wird SPD-Mitglied Martini nicht zurückkehren. Selbst wenn ein Ruf aus Berlin kommen sollte. "Die Politik ist für mich abgeschlossen."

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