Neuer Bahn-Chef : "Wir wollen den besten Service der Welt bringen"

Bei der Deutschen Bahn geht es erst einmal ans Aufräumen: Rüdiger Grube, der designierte Chef des Staatskonzerns, will den Stil des Hauses verändern - und zitiert Oskar Lafontaine.

Carsten Brönstrup
Grube
An die Arbeit. Rüdiger Grube -Foto: dpa

Berlin - Fast eine Stunde lang kann er es kaschieren, dann zeigt Rüdiger Grube doch noch, dass er ein wenig nervös ist. „Man wird nicht erleben, dass ich das, was ich zugesagt habe, auch einhalte“, verhaspelt er sich. Natürlich meint er das genaue Gegenteil: Dass man sich auf sein Wort verlassen könne, dass es keinen Grund gebe, ihm zu misstrauen. Aber neuer Chef der Deutschen Bahn wird ein Manager nun einmal nicht jeden Tag, auch an das Licht der Scheinwerfer, die vielen Kameras und den Minister an seiner Seite muss er sich erst gewöhnen. Schließlich ist es sein erster Auftritt als Leiter eines der wichtigsten deutschen Konzerne.

Erst seit sieben Tagen ist klar, dass sich im Berufsleben von Rüdiger Grube eine Menge ändern wird. Bislang hat er im Daimler-Vorstand die Strategie geplant, eher im Hintergrund. Jetzt soll er der Bahn ein Gesicht geben, die 240 000 Mitarbeiter und Millionen von Kritikern hat. Der 57-Jährige weiß, dass er in dem riesigen Unternehmen erst einmal aufräumen muss. „Viele Menschen sind sehr traurig darüber, was zurzeit über die Bahn geschrieben wird“, sagt er und meint die Affäre um ausgespähte E-Mails und den Korruptionsverdacht gegen die gesamte Belegschaft. Nachdem die Neugier der Bahn publik geworden war, musste Hartmut Mehdorn nach zehn Jahren den Hut nehmen. Er werde die Sache „zügig und lückenlos“ bis Juni aufklären, um das Vertrauen von Mitarbeitern und Kunden zurückzugewinnen, kündigt Grube an.

Er ist das genaue Gegenteil von Mehdorn. Sein Vorgänger war direkt, kantig, bebte vor Energie und Ungeduld, unterstrich seine Aussagen gerne mit Wörtern wie „bumm“, „zack“ oder „wumms“. Grube dagegen ist stets bemüht, freundlich zu schauen und nicht anzuecken. „Vielen Dank für diese Frage“, sagt er manchmal, bevor er antwortet. Und während Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) neben ihm redet, nickt er ständig mit dem Kopf – das wäre das Letzte, was Mehdorn getan hätte. Gleichwohl bewundert Grube seinen Vorgänger. Bei der Bahn habe sich in den vergangenen zehn Jahren vieles verbessert, sie gehöre zu den Besten der Branche, „total begeistert“ sei er immer vom Zugfahren. „Ich übernehme kein marodes Unternehmen.“ Mehdorn, dessen Büro bei Airbus er einst geleitet hat, sei stets „ein großes Vorbild“ gewesen.

Viele in der Politik, die sich über Mehdorn geärgert haben, sehen das ein bisschen anders. Daher soll der Neue vor allem einen anderen Stil mitbringen. Grube bemüht sich, das von Beginn an zu zeigen. Er möchte zuhören, sagt er, die Menschen kennenlernen, Respekt zeigen. Ein paar kleine Weisheiten sollen verdeutlichen, was er meint. „So, wie du in den Wald hineinrufst, schallt es heraus“, findet Grube, und: „Predige nicht selbst Wasser und trinke Wein.“ Die Sprichwörter wirken ein bisschen hölzern, aber Grube findet sie nicht peinlich. Für seine neuen Bahner hat er noch einen Spruch mitgebracht. „Wer nicht selbst begeistert ist, wird auch Menschen nicht begeistern“, ruft Grube. Das hat Oskar Lafontaine 1995 auf dem denkwürdigen SPD-Parteitag auch gesagt, bevor er Rudolf Scharping stürzte.

Auch an die Kunden, die es zu begeistern gilt, hat der neue Mann gedacht. „Die Bahn ist dazu da, den besten Service der Welt zu erbringen. Das muss unser Ziel sein.“ Er wolle eine „sympathische Bahn“, die man gerne nutze. Das sind neue Töne.

Dem neuen obersten Eisenbahner geht es aber nicht nur um Stilfragen, auch um Strategie. „Sie werden nicht erleben, dass ich diesen Konzern zerschlagen werde“, kündigt er an und, dass man sich die Privatisierung als „Option“ erhalten müsse, wenn die Börsenturbulenzen vorüber sind. Der Minister neben ihm mag solche Ideen gar nicht, der Streit darum hätte ihn fast das Amt gekostet. Grube ficht das nicht an, er sagt auch, die Bahn müsse „weltweit“ ausgebaut werden. Und bittet zum Schluss um etwas, das Politiker wie Tiefensee noch weniger mögen. „Lassen sie uns aufhören, die Bahn für politische Dinge zu instrumentalisieren.“ Tiefensee nickt – auch wenn Grubes Appell ein frommer Wunsch bleiben dürfte.

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