Wirtschaft : Neuer Besitzer bei Wernesgrüner Brauerei

Erfurter Riebeck übernimmt Anteile von Erbengemeinschaft / Marke soll eigenständig bleiben

BERLIN (dpa).Die traditionsreiche Wernesgrüner Brauerei AG, Wernesgrün, ist mehrheitlich von der Erfurter Brauerei Riebeck GmbH & Co.KG für Beteiligungen übernommen worden.Der wesentlich kleinere Thüringer Brauereiverbund habe die bisher von einer Erbengemeinschaft gehaltenen 51,03 Prozent der Anteile erworben, teilte Riebeck-Brauerei-Besitzer Roland Müller am Dienstag überraschend in Berlin mit.Die geheimen Verhandlungen mit den Alteigentümern, von denen weder der Vorstand noch der Aufsichtsrat von Wernesgrüner sowie die Branche gewußt hätten, seien am Montag abend erfolgreich abgeschlossen worden.Die restlichen Anteile an der vogtländischen Premiumbrauerei werden von einer Beteiligungsgesellschaft der Bayerischen Landesbank gehalten.Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Um die Übernahme der Aktienmehrheit an der Wernesgrüner Brauerei AG hätten sich zahlreiche Interessenten beworben.Die Alteigentümer hätten jedoch darauf bestanden, daß das Unternehmen als selbständige, konzernunabhängige Brauerei in ostdeutscher Hand weitergeführt werde, sagte der Vertreter der Alteigentümer, Christian Wolf.Der künftige Mehrheitseigner Müller sagte, ihn habe Wernesgrüner als "Markenikone" interessiert.Das Unternehmen solle eigenständig im Riebeck-Brauerei-Verbund als überregionale Marke weitergeführt und profiliert werden.Die vogtländische Premiumbrauerei Wernesgrüner strebt für dieses Jahr nach Angaben des Vorstandes vom August einen Bierausstoß von etwa 850 000 Hektolitern an.Dies sei ein Zuwachs von rund 80 000 Hektolitern gegenüber dem Vorjahr.In den ersten sechs Monaten hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben mit derzeit 250 Beschäftigten entgegen dem Branchentrend zweistellige Zuwachsraten erreicht.Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Brauerei einen Umsatz von 120,9 Mill.DM.Das Betriebsergebnis soll 1997 nach bisherigen Plänen deutlich über dem des Vorjahres von neun Mill.DM liegen. Die Riebeck-Brauereien mit Standorten in Meiningen, Eisenach und Erfurt erreichten nach Angaben von Müller zuletzt einen Bierausstoß von rund 520 000 Hektolitern und einen Umsatz von rund 60 Mill.DM.Der Verbund mit heute etwa 190 Beschäftigten sei vor dem Krieg die größte ostdeutsche Brauerei gewesen, sagte Müller.Mit Blick auf den wesentlich höheren Bierausstoß sowie Umsatz der Wernesgrüner Brauerei sagte Müller, der Erwerb sei ein ganz schöner Schluck gewesen.Ob das bisherige Konzept des Vorstandes, das zweistellige Millioneninvestitionen vorsah, weitergeführt werde, wolle er in aller Ruhe prüfen.Bisher war geplant, in den kommenden Monaten allein in Sachanlagen rund 51 Mill.DM zu investieren.Müllers Worten zufolge hat das Unternehmen "offensichtlich die Kraft, dies aus Eigenmitteln finanzieren zu können". Den Kaufpreis für die Aktienmehrheit des Unternehmens müssen sich den Angaben zufolge etwa ein Dutzend Alteigentümer untereinander aufteilen.Nach Angaben von Wolf habe es zuletzt eine "ganze Anzahl von Familienangehörigen gegeben, die nicht so direkt an einer Weiterführung des Unternehmens, sondern an den Erlösen interessiert waren".Zu einem möglichen Erwerb auch der restlichen Anteile sagte Riebeck-Inhaber Müller, ihn habe die Marke Wernesgrüner interessiert.Wichtig sei dabei die unternehmerische Führung.Und um die zu erreichen, müßten nicht alle Anteile am Unternehmen gehalten werden.

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