Wirtschaft : Neuer Golf für hohe Ansprüche

Der US-Absatz bricht ein – mit einem neuen Hochdach-Golf soll nun zumindest das Europa-Geschäft laufen

Dieter Fockenbrock

Berlin - Während der Absatz in den USA massiv einbricht, präsentiert Volkswagen seinen neuen Hoffnungsträger in Italien. Der so genannte Golf Plus, eine um zehn Zentimeter höhere Version des Grundmodells, soll das Europageschäft wieder in Gang bringen. Schon im nächsten Jahr will VW 150 000 Golf Plus verkaufen. Diese Fahrzeugversion mit einem Basispreis von 16 740 Euro richtet sich an Kunden, die mehr Platz für ihre Freizeitaktivitäten brauchen.

Mit dieser Preiskalkulation, so VW-Marketingvorstand Georg Flandorfer auf der Automesse in Bologna, habe das Unternehmen auch auf Vorwürfe reagiert, dass der Golf zu teuer sei. Der neue Golf musste im Frühjahr wegen massiver Verkaufsprobleme kostenlos mit einer Klimaanlage ausgestattet werden. Erst dann kam das Geschäft in Gang.

Enttäuschend verlief für Europas größten Automobilbauer VW das Novembergeschäft in den USA. Der Absatz brach im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent auf 17 224 Fahrzeuge ein. Insgesamt setzten alle Autobauer in Nordamerika im November mit 1,2 Millionen ein Prozent weniger Fahrzeuge ab. Volkswagen denkt inzwischen darüber nach, ein eigenes Werk in den USA zu bauen, um den Risiken durch die Euro-Aufwertung zu entgehen. Das sagte Flandorfer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Bologna. Er sprach sich dafür aus, ein solches Projekt gemeinsam mit der Tochter Audi anzugehen. Gegenwärtig produziert Volkswagen in seinem Werk im mexikanischen Puebla für den nordamerikanischen Markt. In den ersten neun Monaten machte der Konzern in der Autoproduktion einen Verlust von 38 Millionen Euro. Nur dank der Finanzsparte konnte VW für diesen Zeitraum unterm Strich einen Reingewinn von 459 Millionen Euro ausweisen.

Auch BMW und Porsche, die der Flaute auf dem US-Markt in der Vergangenheit erfolgreich entgegengesteuert hatten, verkauften weniger Autos. Gegen den Trend verbesserten sich dagegen die Marken Mercedes und Chrysler. Die lokalen Rivalen General Motors und Ford verbuchten dagegen Verkaufseinbußen.

Volkswagen-USA hat schon das ganze Jahr Absatzprobleme. Mit 234 642 Fahrzeugen wurden 18 Prozent weniger verkauft. Als ein Grund für die Verkaufsschwäche gilt der bevorstehende Modellwechsel beim Jetta. BMW liegt dagegen nach elf Monaten mit 5,9 Prozent im Plus, auch wenn der November nicht so gut lief. Auch der Sportwagenhersteller Porsche setzte im November in Nordamerika wie BMW vier Prozent weniger Autos ab. Ganz gegen den Trend verkaufte Mercedes-Benz 3,4 Prozent mehr Fahrzeuge. Es sei das zweitbeste November-Ergebnis, das jemals erzielt worden sei, erklärte der Stuttgarter. Seit Jahresbeginn wurden fast 195 000 Autos verkauft. Auch für Chrysler läuft es schon seit Monaten gut, es gingen 8,9 Prozent mehr Fahrzeuge an die Kunden. Der Pkw-Absatz verbesserte sich sogar um 17,5 Prozent, vor allem der Chrysler 300 Sedan „verkauft sich seit Markteinführung fast von selbst“, heißt es bei Daimler-Chrysler.

Die Marktführer GM und Ford kündigten nach erneuten Minuszahlen dagegen Produktionskürzungen an. Der weltgrößte Autobauer General Motors verkaufte 13,1 Prozent weniger Fahrzeuge als vor einem Jahr. Bei Ford war der Autoabsatz im November um 12,5 Prozent eingebrochen. Beide Produzenten haben vor allem an die japanische Konkurrenz verloren. So buchte Nissan ein Plus von 31 Prozent. Suzuki und Toyota legten um 23 und neun Prozent zu.

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