Wirtschaft : Neuer Handelsriese will 400 Millionen DM einsparen

DÜSSELDORF (rtr). Der Handelskonzern Karstadt verspricht sich ein beträchtliches Wachstum von der Eingliederung des Versandhändlers Quelle in den Konzern. Auf der Karstadt-Hauptversammlung, die über die Verschmelzung beschließen sollte, sagte Karstadt-Chef Walter Deuss am Freitag in Düsseldorf, der Ausbau der Versandsparten werde dem Konzern zusätzliche Dynamik verleihen. Durch die Fusion von Europas größtem Warenhausunternehmen und Europas zweitgrößtem Versandhaus entsteht eine Einzelhandelsgruppe mit rund 36 Mrd. DM Umsatz und 121 000 Mitarbeitern. Sprecher von Kleinaktionärsgruppen und Investmentfonds begrüßten die Übernahme von Quelle, kritisierten aber das Bewertungsverhältnis. Die Fusion sei unternehmerisch sinnvoll, die Konditionen gefielen ihnen weniger, sagte einer.Die neue Karstadt Quelle AG, die als Konzernholding agieren soll, strebt laut Deuss eine Umsatzrendite vor Steuern von mindestens 3,5 Prozent und eine Kapitalverzinsung von 15 Prozent an. "Per Ende Juni entsprechen die Betriebsergebnisse des Konzerns den Prognoserechnungen für das Jahr 1999", sagte der Vorstandschef vor etwa 800 Aktionären. Für 1999 kündigte er bei einem höheren Grundkapital eine Dividende auf der Höhe der für 1998 auf elf (zehn) DM erhöhten Dividende an. An der Zustimmung der Hauptversammlung zur Fusion bestand kein Zweifel, zumal die Quelle-Eigner, die Schickedanz-Gruppe, über die faktische Mehrheit an Karstadt verfügen. Die Gutachter hatten für Karstadt einen Wert von rund 8,2 Mrd. DM und für Quelle einen Wert von knapp 3,3 Mrd. DM ermittelt, was ein Wertverhältnis von eins zu 2,5037 ergibt. Aus dem Zusammenschluß sollen netto bis zum Jahr 2002 rund 400 Mill. DM gewonnen werden. Schon in diesem Jahr seien 115 Mill. DM realisierbar, sagte Deuss. Der Karstadt-Konzern sei heute zu stark vom Warenhausgeschäft geprägt, das nicht internationalisierbar sei und in Deutschland von den Supermärkten auf der Grünen Wiese bedrängt werde. Mit der Fusion erhalte der Konzern eine ausgewogenere und wachstumsträchtigere Struktur. Künftig würden sich die Sparten Warenhäuser (Karstadt, Hertie) und Versandhandel (Quelle, Neckermann) mit Umsatzanteilen von 39,4 Prozent und 39,1 Prozent gleichgewichtig gegenüberstehen, sagte Deuss, der auch die Karstadt Quelle AG führen wird.Die Ergebnisentwicklung liege im Plan, sagte Deuss weiter. Pro forma gerechnet hätte Karstadt Quelle im vergangenen Jahr ein Ergebnis vor Ertragssteuern von 421 Mill. DM (Karstadt 274, Quelle 147 Mill. DM) verdient. Beim dritten Standbein - neben den Warenhäusern und dem Versandhandel ist das die Touristik - rechnet Deuss mit zweistelligen Zuwachsraten. Der Umsatz bei der C & N Touristic AG dürfte im laufenden Touristikjahr um eine Mrd. DM steigen. Im vergangenen Jahr hatte das Gemeinschaftsunternehmen von Karstadt und Lufthansa rund 7,5 Mrd. DM erlöst.An der neuen Karstadt Quelle AG werden Schickedanz 47,7 Prozent der Anteile halten, die Dresdner Bank 7,1 Prozent, die Allianz 10,8 Prozent und der Streubesitz 34,4 Prozent.

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