Wirtschaft : Neuer IWF-Chef will Reformen zügig umsetzen

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Horst Köhler setzt sich für stärkere Einbindung der privaten Kapitalmärkte einbir

Nach der Wahl zum geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), will der neue IWF-Chef Horst Köhler die Reform der internationalen Organisation vorwärts treiben. "Die Amtszeit von fünf Jahren wird nicht reichen alle Probleme zu lösen, aber ich hoffe wir werden ein gutes Stück weiter sein," sagte der noch amtierende Präsident der Osteuropabank, Horst Köhler, am Dienstag in London. Sein Ziel sei nicht, das Rad neu zu erfinden, es lägen genügend brauchbare Reformvorschläge auf dem Tisch. Sie gelte es jetzt zügig umzusetzen. Denn eine globale Wirtschaft benötige eine schlagkräftige internationale Institution, die globale Krisen voraussehen und wirksam überwinden helfe. "Wenn es den IWF nicht gäbe, müssten wir ihn spätestens jetzt erfinden," sagte Köhler, der voraussichtlich Anfang Mai die Arbeit beim Internationalen Währungsfonds in Washington beginnt.

Gleich zu Anfang seiner Amtszeit will der neue IWF-Chef nach Lateinamerika, Afrika und Asien reisen. "Bisher war die politische Diskussion sehr stark von Industrieländern geprägt. Ich will sehen, wie die Entwicklungsländer die IWF-Reform finden", sagte Köhler weiter. Er unterstrich, dass ihm bei der Reform des IWF auch daran gelegen sei, die Institution noch unabhängiger von politischer Einflussnahme einzelner Länder zu machen. Gleichwohl ist sich Köhler der Bedeutung der USA für den IWF bewusst: "Ich werde das direkte Gespräch mit dem US-Kongress suchen," sagte er. Der Kongress hatte in der Vergangenheit die Effektivität des Währungsfonds und seiner Kredithilfen scharf hinterfragt. "Man muss sich die Frage stellen, was wir mit dem Geld machen", sagte auch Köhler. Dennoch hält Köhler das Ergebnis der vom US-Kongress in Auftrag gegebenen Meltzer-Studie, die IWF und die Weltbank vorwirft, sie hätten ihre Aufgabe verfehlt, für falsch. Die Welt stehe heute wohl besser da als vor 50 Jahren. Allerdings teilt auch er die Auffassung des Berichts und des US-Finanzministers, dass sich der Fonds auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und die Kreditvergabe überprüfen solle.

"Auch nach meinem Verständnis liegen die Kernkompetenzen des IWF bei der Frage makroökonomischer Stabilität und den dafür notwendigen Strukturreformen", sagte er. Der Fonds solle dabei nicht erst eingreifen, wenn es zur Krise komme, sondern schon im Vorfeld die Volkswirtschaften auf ihre Krisenanfälligkeit hin prüfen und die Wechselkurspolitik genau im Auge haben.

Der langjährige Währungsexperte Köhler sprach sich außerdem ausdrücklich für eine überlegte Liberalisierung des Kapitalverkehrs aus. Die Arbeit bei der Osteuropabank habe ihm gezeigt, dass es nicht ausreiche, den Kapitalverkehr zu liberalisieren. Auch der Bankensektor eines Landes müsse mit den anwachsenden Kapitalströmen umgehen können. Unter Umständen sei es deshalb sinnvoll, den kurzfristigen Zufluss von Kapital in manchen Ländern zu kontrollieren. Wie Köhler sagte, arbeitet der IWF schon jetzt daran, den Privatsektor, also die privaten Banken stärker in die Krisenprävention und -überwindung miteinzubeziehen. "Doch das ist leichter gesagt als getan", fügte er hinzu. "Niemand soll sich an Finanzhilfen des Fonds gewöhnen." Er plädiere deshalb für höhere Zinsen und kurzfristigere Kredite. Außerdem sollten die Kredite weiterhin mit Strukturanpassungsprogrammen verbunden sein. Nur so könnten Reformen vorangetrieben werden. Mit Russland wolle der IWF auch weiter einen "konstruktiven Dialog" pflegen. Putin müsse jetzt aber die Strukturreform voranbringen, damit auch russisches Kapital ins Land zurückfließe.

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