Wirtschaft : Neuer Mann soll bei VW Tempo machen

Vorstandschef Pischetsrieder und die Aktionäre setzen auf den neuen Chef der Markengruppe VW

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Hamburg Nachdem der VW-Konzern im ersten Quartal die Ertragswende geschafft hat, will der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder die Gesundung des Konzerns deutlich beschleunigen. Auf der Hauptversammlung in Hamburg versprach er am Donnerstag steigende Absatz- und Ertragszahlen in diesem Jahr: „Das Ergebnis des ersten Quartals wird das niedrigste in diesem Jahr bleiben. Die folgenden Quartale werden deutlich besser ausfallen“, kündigte der Konzernchef an. Als Tempomacher haben Pischetsrieder und die Aktionäre den ehemaligen Daimler-Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard auserkoren. „Herr Bernhard, unsere Hoffnungen ruhen auf Ihnen“, sagte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz unter dem Applaus der Anteilseigner.

Bernhard wird die Verantwortung für die zuletzt defizitäre Markengruppe VW mit den Marken VW, Skoda, Bentley und Bugatti zum 1. Mai und damit früher als erwartet übernehmen, wie Pischetsrieder bekannt gab. Indirekt kündigte Bernhard in Hamburg bereits Restrukturierungsschritte für VW an: „Wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben machen. Über die nötigen Maßnahmen werden wir zuerst die Mitarbeiter und dann die Öffentlichkeit informieren.“

Bernhard wird innerhalb der Konzernstruktur Pendant zum Audi-Chef Martin Winterkorn, der die Markengruppe Audi führt, und muss vor allem die Kernmarke VW aus den roten Zahlen bringen. Der 44-Jährige wird auch den Bereich Produktentwicklung für die Markengruppe übernehmen, die in der Verantwortung von Wilfried Bockelmann lag. Bockelmann wird zum Ende des Jahres in den Ruhestand gehen.

Die Aktionäre sprachen Bernhard Mut zu, die Schwachstellen der Marke VW anzugehen und offen zu kommunizieren: „Erzählen Sie uns die Wahrheit über VW, auch wenn Sie das bei Mercedes mit Ihrem Job bezahlt haben“, sagte ein Fondsvertreter. Bernhard hatte im vergangenen Jahr als designierter Mercedes-Chef die deutsche Vorzeigemarke als Sanierungsfall bezeichnet und musste nach Meinungsverschiedenheiten mit Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp den Konzern verlassen.

Der künftige VW-Markenchef hat seine Arbeit im Konzern bereits vor einigen Monaten angetreten und die Kultur in Wolfsburg nach Aussagen aus dem Unternehmen schon jetzt verändert: „Da ist ein ganz anderer Zug drin“, hieß es. Bernhard habe in den vergangenen Wochen bereits mehrere Arbeitskreise zu den Produkten durchgeführt, bei denen erstaunliche Kostensenkungspotenziale gehoben worden seien.

Europas größter Autokonzern leitete nach einer langen Durststrecke mit schrumpfenden Ergebnissen in den ersten drei Monaten dieses Jahres bereits eine Trendwende beim Ergebnis ein. Im ersten Quartal kletterte das operative Ergebnis des Konzerns dank weiterer Erfolge des Sparprogramms For-Motion um mehr als 40 Prozent auf 464 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr weitete der Konzern daraufhin seine Prognose eines operativen Gewinnanstiegs gegenüber 2004 nun auch auf das Vorsteuerergebnis aus. Analysten waren nur von einem operativen Ergebnis von 445 Millionen Euro ausgegangen. Bei einem um 2,4 Prozent auf 21,12 Milliarden Euro gesunkenen Konzernumsatz steigerte der Autobauer den Reingewinn zugleich auf 70 Millionen Euro von 26 Millionen Euro vor Jahresfrist.

In China fiel das erste Quartal verheerend aus, der Verkauf brach um mehr als ein Viertel ein. Das China-Geschäft habe in den ersten drei Monaten nur noch ein „nahezu ausgeglichenes Ergebnis“ erreicht, räumte Konzernchef Pischetsrieder ein. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den VW-Konzern in China neu auszurichten.“hof/HB

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